Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Kammmolch - Triturus cristatus

Natura 2000-Code: 1166; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 4 Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
Wirkfaktor: 4-3 Betriebsbedingte Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
Relevanz des Wirkfaktors:  regelmäßig relevant - besondere Intensität (3)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (7)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (6)
  4. Relevanzschwelle (3)
  5. Erheblichkeitsschwelle (2)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.06 Roll, E. (2004)

"Als widerlegt können alle Annahmen gelten, nach denen Bahnanlagen wegen der Schienen und des scharfkantigen Schotters durch Amphibien grundsätzlich nicht gequert werden können (so Cost 2000d, SCV 1996, van der Grift & Kuijsters 1998). In der oben zitierten Studie hat Wolff 1994 (inhaltsgleich in Igelmann 1994) belegt, dass auch eine viel befahrene Strecke durch die Zwischenräume zwischen Gleis und Schotter gequert wird. Obwohl die zitierte Studie zum Ergebnis kommt, dass Bahnanlagen keine Barriere für die Erdkröte darstellen (Einschränkungen werden u. a. bei Hochgeschwindigkeitsstrecken gesehen) wird dieselbe Studie von van der Grift & Kuijsters (1998) als Beleg für eine erhebliche Barrierewirkung der Bahn zitiert.
Es wird eine unüberwindbare Barriere gesehen, sofern keine Zwischenräume zwischen Schiene und Ballast auftreten. Begehungen an Strecken zeigen jedoch, dass ausreichend große Zwischenräume auf allen Bahnstrecken regelmäßig in kurzen Abständen aufzufinden sind."

Qualifizierung der Quelle: D



1.07 Roll, E. (2004)

"Henle & Rimpp (1994) stellen fest, dass sich die Wechselkröte entlang von Bahnlinien ausbreitete und von dort aus Gewässer in Bahnnähe besiedelte. Die Untersuchung stellte eine Bahnlinie als zentrale Ausbreitungsachse dieser Art im Untersuchungsgebiet heraus. Wanderungen entlang der Bahnlinie und die Neubesiedlung von bahnnahen Gewässern erfolgten auch durch Bergmolch, Teichmolch, Gelbbauchunke, Erdkröte, Kammmolch, Wasserfrosch, Grasfrosch sowie Feuersalamander."

Qualifizierung der Quelle: D


3. Prognosemethoden

3.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Bei der Wirkungsprognose sind die qualitativen und quantitativen Betroffenheiten der Art durch betriebsbedingte Barrierewirkungen und / oder Mortalität einzuschätzen (vgl. auch Lambrecht et al. 2004:147ff. zu individuenbezogenen Beeinträchtigungen). Dabei sind die Wirkintensität des Projekts und seiner Bestandteile (z. B. Lage im Raum, Verkehrsintensität u. -geschwindigkeit) und die Empfindlichkeit der Art (z. B. Mobilität, Aktionsräume, Fortbewegungsgeschwindigkeit, Verhalten bei Gefahr, räumlich-funktionale Beziehungen) zu analysieren.

Es sind alle relevanten (Teil-)Habitate sowie die räumlich-funktionalen Beziehungen zwischen Teilhabitaten mit den vom Projekt beanspruchten Flächen zu überlagern. Grundsätzlich ist insbesondere die Betroffenheit der räumlich-funktionalen Beziehungen zwischen den verschiedenen Teilhabitaten einer Art auf Individuums- und / oder Bestandsniveau qualitativ und quantitativ einzuschätzen.

Es sind die quantitativen und qualitativen Funktionsverluste für die betroffenen Individuen bzw. (Teil-)Populationen zu beurteilen. Zudem ist die Beurteilung der vorhandenen Bestandsgrößen und eine Einschätzung der langfristigen Auswirkungen der Barrierewirkungen bzw. Mortalität auf die Bestände im Gebiet vorzunehmen.

Im Einzelfall können auch Flächen außerhalb des Gebietes zu berücksichtigen sein, sofern die betroffenen (Teil-)Habitate eine wesentliche funktionale Bedeutung für die im Gebiet vorkommenden Bestände der Art aufweisen.

Eine Berücksichtigung etwaiger kumulativer Wirkungen additiver oder synergistischer Art durch andere Wirkfaktoren des Projekts / Plans oder im Zusammenwirken mit anderen Projekten / Plänen ist notwendig.

Im Einzelfall können aus Gründen der Prognosesicherheit auch weitergehende Methoden notwendig werden (z. B. Populationsgefährdungsanalysen, s. Rassmus et al. 2003, Lambrecht et al. 2004).

Qualifizierung der Quelle: E



3.02 Glitzner, I., Beyerlein, P., Brugger, C., Egermann, F., Paill, W., Schlögel, B. & Tataruch, F. (1999)

Die Autoren zitieren Studien (z. B. Moore 1954, Heusser 1960, 1967, 1968b, Heusser & Honegger 1963, Sander et al. 1977, Kuhn 1987a,b oder Bay & Rodi 1991), die zeigen, dass Populationen von Amphibien, die regelmäßig Wanderungen zwischen Sommer- bzw. Winterquartier und Laichgewässer unternehmen, durch Überfahren in erheblichem Maße dezimiert werden oder völlig erlöschen können.

"Einige Simulationsmodelle (z. B. Ryser 1985, Heine 1987) und Feldstudien setzen sich mit der Fragestellung auseinander, welche Mortalitätsrate bei einer gewissen Verkehrsdichte zu erwarten ist. Es finden sich folgende Mortalitätsraten:
1 Kfz/h: Erdkröte: 10 % (Kuhn 1987),
5 Kfz/h: Erdkröte: 10 % (Heine 1987), laut Simulationsmodell,
4-12 Kfz/h: Erdkröte: 10 % (Kuhn 1984),
10 Kfz/h: Erdkröte: 30 % (Van Gelder 1973),
14 Kfz/h: Erdkröte: 30 % (Heine 1987), laut Simulationsmodell,
24-40 Kfz/h: Erdkröte: 50 % (Kuhn 1987b),
38-62 Kfz/h: Erdkröte: 40 %, Grasfrosch: 28 %, Teichmolch: 30 %, Bergmolch: 60 %, trotz gleichzeitiger Schutzmaßnahme durch Absammeln (Münch 1989a, Kromberg 1989),
40-60 Kfz/h: Erdkröte: 44 %, Grasfrosch: 47 %, Teichmolch: 49 %, Bergmolch: 50 %, trotz gleichzeitiger Schutzmaßnahme durch Absammeln (Münch 1989a, Kromberg 1989),
44-60 Kfz/h: Erdkröte: >75 % (Kuhn 1987b),
60 Kfz/h: Erdkröte: 90 % (Van Gelder 1973), 100 % (Karthaus 1985), ein Überqueren der Straße ist vollkommen unmöglich.

Extrapoliert man diese Ergebnisse auf Bundesstraßen und Autobahnen, so erweisen sich diese als vollkommen unüberwindbare Hindernisse (Vos 1997); selbst auf sehr schwach frequentierten Straßen können die Verluste an Erdkröten für die Population beträchtlich sein (Sticht 1997)" (Glitzner 1999:40f.).

Qualifizierung der Quelle: D



3.03 Rassmus, J., Herden, C., Jensen, I., Reck, H. & Schöps, K. (2003)

Hels und Buchwald (1999) haben auf Grundlage von empirischen Untersuchungen an verschiedenen Amphibienarten in Dänemark ein Modell entwickelt, mit dem die Mortalitätsrate von Amphibienarten in Abhängigkeit von der Verkehrsdichte und der Bewegungsgeschwindigkeit der Tiere ermittelt werden kann.

"In diesem Modell (das an verschiedene Querungswinkel angepasst werden kann) nimmt die Wahrscheinlichkeit, auf der Straße überfahren zu werden, nicht linear mit der Verkehrsdichte zu (kein gleichmäßiger Verkehrsstrom, keine gleichmäßigen Geschwindigkeiten). Die errechneten Mortalitäten bleiben daher etwas unterhalb ähnlicher Schätzmethoden auf Basis linearer Modelle, wie sie z. B. bereits 1987 von Heine entwickelt wurden. Eine Mortalität um die 100 % wird bei langsamen Arten ab Verkehrsdichten von etwa 500 DTV erreicht (für senkrecht zur Straße wandernde Erdkröten liegt sie bei 500-1000 DTV)" (zit. in Rassmus et al. 2003:172).

Qualifizierung der Quelle: E



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Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung