Erläuterungen zu den Bereichen "Lebensraumtypen", "Arten" und "Vogelarten"

Hier handelt es sich um den Kernbereich des Fachinformationssystems FFH-VP-Info. Je Lebensraumtyp und Art sind zu dem Thema "Beeinträchtigungen" gezielt wissenschaftliche Quellen recherchiert und in Form von strukturierten Auswertungen und Bewertungen in der Datenbank dokumentiert. Die Grundstruktur der ausgewerteten Informationen basiert auf den 36 unterschiedenen Wirkfaktoren (1-1 bis 9-1).

Die Auswahl eines bestimmten Lebensraumtyps oder einer Art erfolgt wahlweise über die Auswahl- bzw. die Suchfunktionen oder über die Navigation.

Für den ausgewählten Lebensraumtyp oder die Art wird zunächst eine Übersichtstabelle angezeigt, in der zusammenfassend jeweils die Relevanz der verschiedenen Wirkfaktoren für diesen Lebensraumtyp bzw. diese Art hinsichtlich möglicher Beeinträchtigungen dargestellt sowie ergänzend ein Überblick über den Umfang der Auswertungen gegeben wird.

Die Einstufung der Relevanz des Wirkfaktors basiert - soweit vorhanden - auf den ausgewerteten wissenschaftlichen Quellen. Ansonsten handelt es sich um orientierende Einschätzungen entsprechend denjenigen auf der Verursacherseite (vgl. die Erläuterungen zu den Bereichen "Projekttypen" bzw. "Plantypen"). Die jeweils getroffenen Relevanzeinschätzungen sollen eine erste Orientierung sowohl in der FFH-Vorprüfung, d.h. bei der Klärung, ob eine FFH-Verträglichkeitsprüfung durchzuführen ist, als auch im späteren Rahmen der FFH-Verträglichkeitsprüfung bieten und hier insbesondere dazu beitragen, dass mögliche entscheidungsrelevante Wirkfaktoren nicht unberücksichtigt bleiben.

Die Skala für die Relevanzeinstufung ist wie folgt definiert:

Stufe Bezeichnung Definition
0 (i. d. R.) nicht relevant Der Lebensraumtyp bzw. die Art ist gegenüber dem Wirkfaktor praktisch nicht empfindlich bzw. reagiert auf dadurch verursachte Wirkungen nicht. Der Faktor kann im Regelfall für die Beurteilung von erheblichen projektbedingten Beeinträchtigungen des Lebensraumtyps bzw. der Art vernachlässigt werden.
Durch das in Klammern gesetzte "in der Regel" wird zum Ausdruck gebracht, dass der hier vorgenommenen Einschätzung eine relative Betrachtung zugrunde liegt, da nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass der Lebensraumtyp bzw. die Art auf den Wirkfaktor in ganz besonderen Fällen dennoch empfindlich reagiert.
1 gegebenenfalls relevant Der Lebensraumtyp bzw. die Art ist gegenüber dem Wirkfaktor nur in bestimmten Fällen bzw. bei besonderen Ausprägungen des Lebensraumtyps bzw. der Art empfindlich. Es liegen keine Hinweise vor, dass eine regelmäßige Bedeutung des Wirkfaktors für mögliche erhebliche Beeinträchtigungen des Lebensraumtyps bzw. der Art gegeben ist.
Ggf. kommt dem Wirkfaktor im Gesamtspektrum der möglichen Ursachen von Beeinträchtigungen des Lebensraumtyps bzw. der Art eine nachgeordnete Bedeutung zu.
2 regelmäßig relevant Der Lebensraumtyp bzw. die Art ist gegenüber dem Wirkfaktor i.d.R. empfindlich bzw. reagiert auf dadurch verursachte Wirkungen signifikant. Der Faktor ist im Regelfall für die Beurteilung von erheblichen projektbedingten Beeinträchtigungen des Lebensraumtyps bzw. der Art zu berücksichtigen.
3 regelmäßig relevant - besondere Intensität Der Lebensraumtyp bzw. die Art ist gegenüber dem Wirkfaktor nicht nur i.d.R. empfindlich bzw. reagiert auf dadurch verursachte Wirkungen signifikant (Stufe 2). Darüber hinaus ist bei Auftreten des Wirkfaktors regelmäßig auch mit einer besonderen Intensität der dadurch verursachten Einwirkung auf den Lebensraumtyp bzw. die Art zu rechnen.

Aus der Tabelle kann durch Auswahl eines Wirkfaktors auf die Detaildaten zu den Beeinträchtigungen und somit auf die eigentliche Datenbank mit ihren Auswertungen zugegriffen werden. Die zusätzlichen Links zu den Definitionen (Def.) und Erläuterungen der Wirkfaktoren dienen nur dazu, diese bei Bedarf kurz nachschlagen zu können.

Angesichts der in der FFH-Verträglichkeitsprüfung relevanten Fragestellungen werden bei der Auswertung und Darstellung der Datensätze folgende 5 Auswertekategorien unterschieden:

  1. Empfindlichkeiten / Wirkungen
  2. Regenerationsfähigkeit
  3. (Standardisierte) Prognosemethoden zur Wirkungsbeurteilung
  4. Relevanzschwelle
  5. Erheblichkeitsschwelle

Unter dem Punkt "1. Empfindlichkeiten / Wirkungen" sind für den betreffenden Lebensraumtyp bzw. die Art und den jeweiligen Wirkfaktor die Ergebnisse der durchgeführten Auswertungen dokumentiert. Diese beziehen sich auf den jeweils möglichen Wirkungszusammenhang. Auf besonders relevante Beziehungen zu anderen Wirkfaktoren wird hingewiesen. Die Angaben sind so speziell, differenziert und fundiert dargestellt, wie es die verfügbare ausgewertete Quellenlage erlaubt. Dies drückt sich sodann auch in der Bewertung der Quellen aus. Die im Einzelnen erzielten Ergebnisse bilden die wesentliche fachliche Grundlage für die weiteren Punkte 2. bis 5.

Unter dem Punkt "2. Regenerationsfähigkeit" werden Informationen oder Einschätzungen zu den lebensraumtyp- und art- bzw. habitatspezifisch bestehenden Möglichkeiten der Regeneration dokumentiert. Dies erfolgt einerseits unter dem Blickwinkel einer natürlichen Selbstregulation, die im Rahmen temporärer Beeinträchtigungen bewertungsrelevant sein kann und andererseits als Hintergrundinformation für die Beurteilung der Erfolgschancen von Kohärenzsicherungsmaßnahmen im Rahmen der Abweichungsprüfung. Um Wiederholungen zu vermeiden, wurde entschieden, die Informationen i.d.R. nur einmal unter dem Wirkfaktor 1-1 darzustellen.

Unter dem Punkt "3. (Standardisierte) Prognosemethoden zur Wirkungsbeurteilung" werden Hinweise zu in Betracht kommenden Methoden bzw. zumindest Kriterien und Parametern gegeben, die für die Durchführung der Wirkungsprognose zur Ermittlung der zu erwartenden Beeinträchtigungen verwendet werden können.

Unter dem Punkt "4. Relevanzschwelle" werden im Sinne von Regelbeispielen bzw. Orientierungswerten Hinweise für die Grenze gegeben, ab der eine mögliche negative Einwirkung i. d. R. prüfungsrelevant ist und in der FFH-Vorprüfung die Prüfpflicht eines Projekts oder Plans sowie im Scoping die Notwendigkeit von bestimmten Untersuchungen begründen kann. Auswirkungen, deren Intensität so gering ist, dass sie diese (Wirkungs-) Schwelle nicht erreichen bzw. überschreiten, brauchen folglich i.d.R. nicht untersucht zu werden. Sie können vernachlässigt werden. Die Relevanzschwelle korrespondiert i.d.R. mit der Schwelle, ab der ein Wirkfaktor nicht mehr als "(i. d. R.) nicht relevant" für projektbedingte Beeinträchtigungen einzustufen ist.

Unter dem Punkt "5. Erheblichkeitsschwelle" werden im Sinne von Regelbeispielen bzw. Orientierungswerten Hinweise für die Grenze gegeben, ab der eine mögliche negative Einwirkung i.d.R. als erheblich einzustufen ist. Auswirkungen, deren Intensität noch so gering ist, dass sie diese Schwelle nicht erreichen bzw. überschreiten, führen folglich diesbezüglich i.d.R. nicht zur Unverträglichkeit des betreffenden Projekts mit den jeweiligen Erhaltungszielen.

Die ausgewerteten Quellen werden jeweils hinsichtlich ihrer Aussagequalität qualifiziert. Die Kategorisierung kann im Rahmen der Wirkungsprognose in der FFH-Verträglichkeitsprüfung für die Beurteilung der Prognosesicherheit und Aussagegenauigkeit hinzugezogen werden. Darüber hinaus können die Einstufungen für die Ableitung vordringlichen Forschungsbedarfs verwendet werden. Der Qualifizierung der Quellen liegt folgendes Schema zugrunde:

A Verallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese(n) spezielle(n) Art / Lebensraumtyp.
B In der Literatur dokumentierter Nachweis für diese(n) spezielle(n) Art / Lebensraumtyp, aber möglicherweise Ausnahmefall.
C In der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten / andere Arten dieser Artengruppe / für ähnliche oder damit vergesellschaftete Lebensraumtypen, der als übertragbar eingestuft wird.
D In der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten / andere Arten dieser Artengruppe / für diesen speziellen Lebensraumtyp oder ähnliche oder damit vergesellschaftete Lebensraumtypen.
E Eigene Einschätzung oder Aussage Dritter ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung).
F Keine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt.

Die Navigation innerhalb der Datenbank erfolgt durch "Blättern" innerhalb der einzelnen Datensätze. Zudem können (bearbeitete) Auswertekategorien auch unmittelbar angewählt werden.

Mit den Reports können übersichtliche Lese-/Druckansichten entweder zu einem einzelnen Wirkfaktor, zu einer Wirkfaktorgruppe oder aber im Sinne eines beeinträchtigungsökologischen Steckbriefs zu allen Wirkfaktoren erstellt und ggf. gedruckt werden.

Der Bearbeitungsstand der jeweiligen Lebensraumtypen und Arten wird dokumentiert. Im Rahmen der in der Datenbank dokumentierten Auswertungen werden im Fall der Bearbeitungs-Stufe "I" nur Angaben zur Relevanz der Wirkfaktoren gemacht. Im Fall der Stufe "II" werden, wenn der Wirkfaktor zumindest "ggf. relevant" ist, auch Aussagen zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten / Wirkungen" sowie zur Kategorie "2. Regenerationsfähigkeit" (jedoch immer nur einmalig beim Wirkfaktor 1-1) getroffen. Bei Bearbeitungs-Stufe "III" sind dann auch Aussagen zu den Auswertekategorien "3. ..." bis "5. ..." enthalten, sofern der Wirkfaktor als mindestens "regelmäßig relevant" eingestuft wird. Dabei sind aufgrund fehlender wissenschaftlicher Publikationen häufig auch abgestimmte Einschätzungen der BearbeiterInnen erforderlich gewesen. Die LRT der Klassen 1 und 2 (Meer und Küste) sowie v. a. die Pflanzenarten des Anhangs II der FFH-RL konnten bislang leider aus Mittelgründen noch nicht bearbeitet werden, dies ist aber für die Zukunft beabsichtigt.

Für weitere Lebensraumtypen bzw. Arten oder andere Wirkfaktoren können die entsprechenden Auswahl- und Suchfunktionen über die "Reiter" oder über die Navigation angesteuert werden.

Der Bereich "Raumbedarf und Aktionsräume von Arten" umfasst äußerst umfangreiche Zusammenstellungen zu Aktionsräumen, Mindestflächengrößen, Mobilität und Dichten für die einzelnen Tierarten. Diese Informationen wurden im Rahmen der Erarbeitung des Fachkonventionsvorschlags zur Bestimmung der Erheblichkeit bei direktem Flächenentzug in Habitaten der geschützten Tierarten (LAMBRECHT & TRAUTNER 2007) benötigt. Da die Daten darüber hinaus aber auch für viele ökologische und planerische Fragestellungen im Rahmen einer FFH-VP von großer Bedeutung sind, wird auf sie in der Datenbank an unterschiedlichen Stellen verwiesen.