Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Luchs - Lynx lynx

Natura 2000-Code: 1361; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 4 Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
Wirkfaktor: 4-3 Betriebsbedingte Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
Relevanz des Wirkfaktors:  regelmäßig relevant - besondere Intensität (3)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (26)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (1)
  4. Relevanzschwelle (1)
  5. Erheblichkeitsschwelle (4)

Datensatz:    < zurück     1 - 5 von 32    weiter >

1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Die betriebsbedingte Mortalität / Tötung des Luchses (L. lynx) resultiert insbesondere aus Kollisionen mit Kraftfahrzeugen an Straßen, zum Teil auch mit Zügen, die i. d. R. zu direktem Tod oder aber zu schwerwiegenden Verletzungen der Individuen führen.

Eine betriebsbedingte Barrierewirkung entsteht dann, wenn die Mortalität / Tötung ein hohes Maß annimmt. Barrierewirkungen führen zu Lebensraumzerschneidung und somit u. a. zur Trennung räumlich-funktionaler Beziehungen zw. Teilhabitaten, zu Verinselung, Verhinderung des Individuen- / Genaustauschs zw. Populationen bzw. einer Neubesiedlung von Gebieten.

Barrierewirkungen / Mortalität können - abhängig vom Umfang - zu Verlust von (Teil-)Habitaten, Bestandsrückgang oder zu Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-)Populationen führen.

Ausführungen zur Mortalität von Luchsen an Straßen, eine Zusammenstellung verschiedener Fakten und Beispiele sowie Hinweise für die Planung finden sich z. B. bei:
Stahl & Vandel (1999), Böer et al. (2000), Breitenmoser et al. (2001), Breitenmoser et al. (2002), Schmidt-Posthaus et al. (2002), Hullen (2004), Zimmermann (2004), Andrén et al. (2006), Klar et al. (2006), Wölfl (2001), Wölfl (2007), Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten (2008:331).

Hinweise zur Mortalität an Schienenwegen:
Breitenmoser et al. (1993), COST (2000c, zit. in Roll 2004:32), Anders & Sacher (2005), Wölfl (2001).

Hinweise zu Querungshilfen für Wildtiere allgemein finden sich z. B. bei:
Righetti (1997), Kneitz & Oerter (1997), Pfister et al. (1997), Kramer-Rowold & Rowold (2001), Akademie für Natur- und Umweltschutz (2002), Iuell et al. (2003), Surkus & Tegethof (2004), Georgii et al. (2007), Reck et al. (2007), FGSV (2008).

Bibliographien: z. B. Glitzner (1999).

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 Breitenmoser, U. & Breitenmoser-Würsten, C. (2008)

"Mit 29 % sind Verkehrsunfälle die häufigste Verlustursache bei jungen Luchsen, gefolgt von den als verwaist aufgegriffenen (23 %), unbekannten Ursachen (14 %), illegal getöteten (12 %) und an Krankheit verendeten (7 %; Abb. 9.11). Die prozentuale Zusammensetzung der bekannt gewordenen Verluste entspricht kaum den tatsächlichen Verhältnissen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein auf der Strasse überfahrener Jungluchs gefunden wird, ist wesentlich grösser, als ein gewildertes oder irgendwo an Krankheit verendetes Tier zu entdecken" (Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten 2008:331).

"Im Jura konnten sieben der sendermarkierten subadulten Luchse nach erfolgreichem Dispersal ein eigenes Revier besetzen (Zimmermann et al. 2005a). Die mittlere Distanz zwischen dem mütterlichen und dem eigenen Wohngebiet betrug für drei Männchen 70 km (Bereich 31-97 km), für vier Weibchen 58 km (28-81 km). In den Alpen waren die Distanzen geringer: 31 km (5-56 km) für sieben Männchen und 19 im (7-33 km) für fünf Weibchen. Im Jura gestatten parallel laufende, stark bewaldete Höhenzüge eine weite, fast geradlinige Wanderung, ohne auf wesentliche Hindernisse zu stossen (Abb. 9.14), während im zerklüfteten Gelände der Alpen immer wieder stark besiedelte Täler oder hohe, waldlose Bergkämme die Dispersalwanderung hemmen" (alle Angaben in Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten 2008:341).

"Stephanie Kramer-Schadt schloss aus ihren Untersuchungen, dass ohne eine Verbesserung der Korridore zwischen den einzelnen Teilgebieten in Deutschland nur entlang der Grenze mit Tschechien eine lebensfähige Luchspopulation aufgebaut werden kann" (Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten 2008:466).

Qualifizierung der Quelle: A



1.03 Breitenmoser, U., Capt, S., Breitenmoser-Würsten, C., Angst, C., Zimmermann, F. & Molinari-Jobin, A. (2002)

Schweizer Jura: "Bei den Todesursachen (Tab. 3) stehen Verkehrsunfälle mit 18 [...] [von 58] Fällen an der Spitze."

Qualifizierung der Quelle: A



1.04 Breitenmoser-Würsten, C., Zimmermann, F., Ryser, A., Capt, S., Laass, J., Siegenthaler, A. & Breitenmoser, U. (2001)

Fünf von 54 tot gefundenen oder aus der Population entnommenen Luchsen waren Verkehrsopfer.

Qualifizierung der Quelle: A



1.05 Arx, M. von, Breitenmoser-Würsten, C., Zimmermann, F. & Breitenmoser, U. (Bearb.) (2004)

"Vehicle and train collision" wird als "Major threat" für Luchspopulationen der Alpen bzw. Gesamteuropas genannt.

Qualifizierung der Quelle: D



Datensatz:    < zurück     1 - 5 von 32    weiter >

Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

Wenn Sie uns Hinweise auf weitere wissenschaftliche Quellen oder Anregungen zu FFH-VP-Info geben wollen, schreiben Sie eine kurze Notiz an:
dirk.bernotat@bfn.de