Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Kegelrobbe - Halichoerus grypus

Natura 2000-Code: 1364; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 8 Gezielte Beeinflussung von Arten und Organismen
Wirkfaktor: 8-3 Bekämpfung von Organismen (Pestizide u.a.)
Relevanz des Wirkfaktors:  gegebenenfalls relevant (1)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (5)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (0)
  4. Relevanzschwelle (0)
  5. Erheblichkeitsschwelle (0)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Der Einsatz von Pestiziden lässt sich im Wesentlichen auf Anwendungen in der land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Bewirtschaftung zurückzuführen. Zum Teil können sie auch aus Bootsanstrichen herrühren.

Auswirkungen ergeben sich durch Schadstoffkonzentrationen im Individuum über die Nahrungskette. Die Vielfalt der ökotoxikologischen Wirkprozesse ist bei Fent (2007) dargestellt, wobei zwischen Auswirkungen auf physiologischer und zellulärer Ebene, auf der Ebene von Individuen und Populationen sowie Lebensgemeinschaften und Ökosystemen zu unterscheiden ist. Über die Verbreitung in der Umwelt geben z. B. Alloway & Ayres (1996) einen Überblick (vgl. auch "Vertiefende Ausführungen" unter "Wirkfaktoren").

Meeressäuger sind als Endglieder der Nahrungskette von der Persistenz und der Akkumulation der Pestizide oder ihrer Metabolite stark betroffen. Sie akkumulieren diese Substanzen besonders in ihren Fettgeweben. Die gemessenen Werte lagen in Bereichen, die in Analogie zu anderen Säugern Auswirkungen auf innere Organe erwarten lassen (z. B. Bruhn et al. 1999:352).

Pestizide können neben akuten auch chronische Auswirkungen haben. Neben subletalen Effekten (z. B. verringerte Fruchtbarkeit) oder der Wirkung als Nervengift sind auch die verzögerten Effekte (z. B. durch Mobilisation der fettlöslichen Pestizide bei hoher Beanspruchung oder toxische Konzentrationen in der Muttermilch und erhöhte Jungensterblichkeit) von Bedeutung.

Konsequenzen können - abhängig vom Umfang - z. B. die Verringerung des Fortpflanzungserfolgs bzw. der Überlebenswahrscheinlichkeit von Individuen, Bestandsrückgang oder die Beeinträchtigung bzw. das Erlöschen lokaler (Teil-) Populationen sein.

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 Siebert, U., Lucke, K., Sundermeyer, J., Benke, H. (2007)

"Lesions indicative increased exposure to chemical pollutants in seals are stenosis occlusion of the uterus, osteoporosis, colonic ulcera, (Bergman and Olsson, 1985, Schumacher et al., 1990, Bäcklin et al., 2003)."

Qualifizierung der Quelle: D



1.03 Bäcklin, B., Eriksson, M. L. & Olovsson, M. (2003)

"A high prevalence of uterine leiomyoma has been reported in Baltic gray seals aged 15 years and above. Studies on Baltic seals during the 1970s revealed high tissue concentrations of the organochlorines bis(chlorophenyl)-1,1,1-trichloroethane (DDT) and polychlorinated biphenyls (PCBs), lowered reproduction rate, and pathologic changes. [...] It is possible that the development of leiomyoma in the seals is associated with organochlorines and the previous low reproductive activity."

Qualifizierung der Quelle: D



1.04 Anderson, S. S. (1992)

"Die höchsten Konzentrationen chlorierter Kohlenwasserstoffe wurden in Kegelrobben aus der Ostsee (Olsson et al. 1974) und in einigen Individuen aus Großbritannien festgestellt. Es wird angenommen, dass Fortpflanzungsunfähigkeit und gesundheitliche Störungen wie Haar-, Zahn- und Klauenausfall, Schädeldeformationen, Eingeweidetumoren und Vergrößerung der Nebennieren mit der Aufnahme chlorierter Kohlenwasserstoffe über die Nahrung zusammenhängen (ICES 1968). Es kann angenommen werden, dass bei der Kegelrobbe ebenfalls ein Zusammenhang zwischen erhöhten PCB-Werten in der Nahrung und einer Abnahme der Reproduktionsfähigkeit besteht, wie es bei dem Seehund nachgewiesen wurde [...]."

Qualifizierung der Quelle: D



1.05 Riedel,G.F., Sanders, J.G. & Breitenburg, D.L. (2003)

"We examined individual and interactive effects of two stressors - nutrients (nitrogen [N] and phosphorus [P]) and "trace elements (a mix of arsenic [As], copper [Cu], and cadmium [Cd], and in a second experiment also zinc [Zn] and nickel [Ni]) - on phytoplankton of the mesohaline Patuxent River, a tributary of Chesapeake Bay. [...] Trace element additions decreased phytoplankton productivity and biomass, as well as the contribution of large centric diatoms to phytoplankton biomass. When both trace elements and nutrients were added, trace elements reduced nutrient stimulation."

Qualifizierung der Quelle: D



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Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

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dirk.bernotat@bfn.de