Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Großes Mausohr - Myotis myotis

Natura 2000-Code: 1324; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 1 Direkter Flächenentzug
Wirkfaktor: 1-1 Überbauung / Versiegelung
Relevanz des Wirkfaktors:  regelmäßig relevant - besondere Intensität (3)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (10)
  2. Regenerationsfähigkeit (2)
  3. Prognosemethoden (1)
  4. Relevanzschwelle (1)
  5. Erheblichkeitsschwelle (2)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Überbauung / Versiegelung führt grundsätzlich zum vollständigen und i. d. R. dauerhaften Verlust der Lebensraumfunktionen der betreffenden Flächen und ihrer Eignung als Habitat der Art (s. "Vertiefende Ausführungen" unter "Wirkfaktoren").

Der Verlust eines wichtigen Quartiers senkt die Überlebenswahrscheinlichkeit und kann in Abhängigkeit von der Jahreszeit, der Größe der Kolonie und dem Angebot an Ausweichquartieren zum regionalen Erlöschen der Art führen.

Bei der Beseitigung von Sommer-Quartieren (z. B. Fällen von Höhlenbäumen, Abriss von Gebäuden, Umbau von Dachstühlen) oder von Winter-Quartieren (z. B. Verschluss von Stollen, Höhlen oder Kellern; bei manchen Arten auch durch Fällen von Höhlenbäumen) besteht zudem die Gefahr, dass es zur Tötung darin befindlicher Tiere kommt.

Daneben kann aber auch der Verlust von essentiellen Nahrungshabitaten und von als Flugrouten genutzten Leitstrukturen eine erhebliche Beeinträchtigung darstellen.

Konsequenzen können - abhängig vom Umfang - z. B. Verlust von Teilhabitaten, Verringerung der Fortpflanzungsrate bzw. der Überlebenswahrscheinlichkeit von Individuen, Bestandsrückgang oder Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-)Bestände sein.

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 Rudolph, B.-U., Zahn, A. & Liegl, A. (2004)

"In Bayern finden sich Wochenstuben überwiegend in Dachstühlen von Kirchen und in Kirchtürmen, deutlich seltener in Schlössern, öffentlichen Gebäuden und Privathäusern. Bevorzugt werden geräumige, dunkle, zugluftfreie Dachböden. Ausnahmen von diesem Quartierspektrum sind beispielsweise Pfeiler und Widerlager von Betonbrücken (zweimal), der Bergfried einer Burgruine, die Betonwand und -decke einer Fabrikhalle, eine beheizte Kasematte, Scheunen (dreimal) und ein Rolladenkasten."

"Als Winterquartier nutzen Mausohren in Bayern Höhlen sowie eine Vielzahl künstlicher Untertagequartiere wie Bergwerksstollen, Kasematten und Burgruinen, Bunker und Keller" (Franken: Bierkeller fast zwei Drittel aller Mausohrwinterquartiere).

Qualifizierung der Quelle: A



1.03 Rudolph, B.-U., Zahn, A. & Liegl, A. (2004)

"Weitere Gründe für den starken Rückgang des Mausohrs waren [...]: Veränderungen an den Sommerquartieren, insbesondere Verschluss von Einflugöffnungen bzw. standardmäßige Abdichtung der Gebäude gegen Tauben durch engmaschige Drahtgitter. Veränderungen an den traditionellen Ausflugsöffnungen führen erfahrungsgemäß häufig zur Aufgabe des Quartiers [...]. Mangelnde Rücksichtnahme bei Renovierungsarbeiten, v. a. während der Jungenaufzucht, kann zu erheblichen Verlusten an Jungtieren und zur Abwanderung der Kolonie führen. Mutwillige oder versehentliche Zerstörung von Kolonien, [...] 1992 beispielsweise wurde unabsichtlich die Ausflugsöffnung einer Kolonie in St. Burkhard in Würzburg verschlossen und die Kolonie mit ca. 200 Individuen verhungerte."

Qualifizierung der Quelle: A



1.04 Rudolph, B.-U. (2004b)

Der Autor berichtet von zahlreichen verschollenen Kolonien. Die mit 400 Tieren größte dieser Kolonien verschwand nachdem das Quartiergebäude unbeachtet von staatlichen Institutionen abgerissen wurde.

Qualifizierung der Quelle: A



1.05 Simon, M. & Boye, P. (2004)

"Die Art unterliegt einem Risikofaktor durch ihre Konzentration in großen bis sehr großen Wochenstubenkolonien, die meist große Dachräume als Quartiere benötigen. Durch die Bevorzugung solcher Wochenstubenquartiere kann die Sanierung einzelner Gebäude Auswirkungen für einen bedeutenden Populationsanteil einer Region haben."

Qualifizierung der Quelle: D



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Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

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dirk.bernotat@bfn.de