Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Großes Mausohr - Myotis myotis

Natura 2000-Code: 1324; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren
Wirkfaktor: 3-5 Veränderung der Temperaturverhältnisse
Relevanz des Wirkfaktors:  regelmäßig relevant - besondere Intensität (3)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (15)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (1)
  4. Relevanzschwelle (1)
  5. Erheblichkeitsschwelle (1)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Fledermäuse bevorzugen bestimmte Temperaturbereiche in ihren Quartieren. Dabei kann es sowohl Minimal- als auch Maximaltemperaturen geben. Verschiedene Quellen befassen sich mit den bevorzugten Temperaturbereichen an den Hangplätzen der Tiere im Wochenstuben- und Winterquartier, vgl. z. B. Meschede & Rudolph (2004), Simon et al. (2004:97ff.) oder Reiter & Zahn (2006) (s. auch nachfolgende Datensätze).

Nach Simon et al. (2004:97) sprechen verschiedene Faktoren dafür, dass die Quartiertemperatur für Fledermäuse von Bedeutung ist. "Die Dauer der Schwangerschaften wird entscheidend durch die Umgebungstemperatur bestimmt (Audet & Fenton 1988, Racey 1969, Racey 1973, Racey & Swift 1981) und auch die Jungtierentwicklung verzögert sich bei geringen Temperaturen (Audet 1990, Hoying & Kunz 1998, Tuttle & Stevenson 1982). Außerdem kann sich die Temperatur auch auf Körpergröße und Geburtszeitpunkt von Fledermäusen auswirken (Mundinger et al. 2021). Es wird davon ausgegangen, dass thermoregulatorische Vorteile für das gesellige Verhalten von Fledermäusen verantwortlich sind (Kunz 1982) und dass die Kosten für die Thermoregulation durch entsprechendes Verhalten wie Kolonie- und Clusterbildung und Quartierwahl reduziert wird [...]."

In den Sommerquartieren und Wochenstuben ist somit i. d. R. ein höheres Temperaturspektrum energetisch optimal. Insbesondere bei Schlechtwetterperioden sollten die Quartiertemperaturen nicht zu tief fallen. Allerdings kann bei extrem hohen Temperaturen für die Tiere Hitzestress entstehen, der sie zum Ausweichen an kühlere Hangplätze veranlasst - sofern vorhanden.

In den Winterquartieren ist die Minimaltemperatur wichtig, die die Tiere vor dem Erfrieren schützt. Insofern ist i. d. R. zumindest dauerhafte Frostfreiheit von Bedeutung. Im Hinblick auf die Maximaltemperaturen ist zu berücksichtigen, dass in Einzelfällen aber auch signifikante Temperaturerhöhungen in den Winterquartieren (z. B. durch Heizungseinbau, Gebäudeausbau und -sanierung) möglicher Weise zu Beeinträchtigungen des Winterschlafs führen könnten, da bei Fledermäusen u. a. in Abhängigkeit von der Temperatur Unterbrechungen des Winterschlafs durch Wachphasen auftreten können.

Konsequenzen veränderter Temperaturverhältnisse in den Quartieren können - abhängig von Intensität und Umfang - z. B. Verlust von Teilhabitaten, Verringerung der Fortpflanzungsrate bzw. der Überlebenswahrscheinlichkeit von Individuen, Bestandsrückgang oder Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-)Bestände sein.

Vorhaben, die z. B. durch bauliche Veränderungen, durch Veränderung der Belüftungs- oder Besonnungsverhältnisse oder auf andere Art und Weise ggf. zu einer Veränderung der Temperaturen in den Quartieren der Fledermäuse führen, können sich somit schnell negativ auswirken und sind generell kritisch zu prüfen.

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Verluste von Wochenstuben-Sommerquartieren durch Renovierungen, die zu Änderungen der Temperatur- oder Feuchtigkeitsverhältnisse geführt haben, werden z. B. bei Rudolph et al. (2004:225ff.) ausführlich beschrieben, ebenso Maßnahmen zur Vermeidung und Minderung der Auswirkung von Renovierungen auf Mausohrkolonien.

Qualifizierung der Quelle: E



1.03 Kulzer, E. (2003a)

"Temperaturmessungen an verschiedenen Stellen der Winterquartiere ergaben, dass sich die Mausohren in einem Bereich aufhalten, der ca. 2 bis 8 °C umfasst. In zahlreichen Höhlen gibt es auch Luftzirkulationen, die v. a. in Bodennähe eindringende Kaltluft verursacht. Insgesamt verändern diese Strömungen den von Fledermäusen bevorzugten Temperaturbereich nur wenig."

"Unter allen abiotischen Faktoren spielt die Temperatur in den Dachstockquartieren eine überragende Rolle." Die Tiere bilden dort vertikale Schichtungen an den Dachlatten: "Temperaturorgeln".

Qualifizierung der Quelle: A



1.04 Kulzer, E. (2003a)

Die "Veränderungen klimatischer Bedingungen in den Quartieren [...] bringt Fledermäuse gerade in kritischen Wintermonaten in höchste Quartiernot."

Qualifizierung der Quelle: A



1.05 Rudolph, B.-U., Zahn, A. & Liegl, A. (2004)

"In ihren Winterquartieren bevorzugen Mausohren Bereiche mit hoher Luftfeuchtigkeit und konstanten, relativ warmen Temperaturen. Für Bayern wurden Temperaturbereiche von 3,5 bis 8 °C bzw. von 1 bis 9 °C gefunden, [...]." "Mausohren wählen in der Regel ausgesprochen warme Quartiere, da hier die Jungenentwicklung rascher als in kühleren verläuft (Zahn 1999). [...] Nur vereinzelt siedeln bayerische Mausohren in Quartieren oder Hangplätzen mit geringen Temperaturschwankungen [...]. Diese Wochenstubenkolonien belegen, dass sie auch bei deutlich tieferen Temperaturen erfolgreich Junge groß ziehen können."

Qualifizierung der Quelle: A



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Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

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dirk.bernotat@bfn.de