Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Großes Mausohr - Myotis myotis

Natura 2000-Code: 1324; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 6 Stoffliche Einwirkungen
Wirkfaktor: 6-2 Organische Verbindungen
Relevanz des Wirkfaktors:  regelmäßig relevant (2)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (3)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (1)
  4. Relevanzschwelle (1)
  5. Erheblichkeitsschwelle (2)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Unter diesem Wirkfaktor werden sämtliche Arten von organischen Verbindungen bzw. Umweltchemikalien gefasst, die Pflanzen wie Tiere schädigen können (vgl. auch "Vertiefende Ausführungen" unter "Wirkfaktoren").

Endokrin wirksame oder hormonaktive Stoffe werden unter Wirkfaktor 6-8 und Pestizide - einschließlich der Holzschutzmittel - werden unter Wirkfaktor 8-3 behandelt (dort auch weitergehende Ausführungen).

Organische Verbindungen können meist im Fettgewebe akkumuliert werden. Als Insektenfresser sind Fledermäuse von der Akkumulation in der Nahrungskette und der Persistenz der organischen Verbindungen besonders betroffen. Neben subletalen Effekten (z. B. verringerte Fruchtbarkeit) oder der Wirkung als Nervengift (z. B. Beeinflussung der Echoortung) sind auch die verzögerten Effekte (z. B. durch Mobilisation der fettlöslichen organischen Verbindungen erhöhte Mortalität im Winterschlaf oder bei Wanderungen, oder toxische Konzentrationen in der Muttermilch und erhöhte Jungensterblichkeit) von Bedeutung.
Eine Zusammenfassung findet sich bei Bayat et al. (2014).

Konsequenzen können - abhängig vom Umfang - z. B. die Verringerung des Reproduktionserfolgs bzw. der Überlebenswahrscheinlichkeit von Individuen, Bestandsrückgang oder Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-)Populationen sein.

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Im Allgemeinen wird die Wirkung von organischen Verbindungen (vor allem aus der Landwirtschaft und dem Holzschutz) für den Rückgang vieler Fledermausarten mitverantwortlich gemacht (s. a. Wirkfaktor 8-3).

Das Große Mausohr (M. myotis) gehört zu den wenigen Arten, für die in der Vergangenheit Vergiftungen von Wochenstubenquartieren und Jagdlebensräumen belegt werden konnten.

Qualifizierung der Quelle: E



1.03 Rudolph, B.-U. (2004b)

"Insbesondere Substanzen in der Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe (CKW) wirken aber auch in geringeren Konzentrationen schädigend, da sie als Nervengifte u. a. die Echoortung beeinflussen können. Bei manchen Stoffen ist außerdem nachgewiesen, dass sie die Fruchtbarkeit von Säugetieren negativ beeinflussen können. [...] CKW sind fettlöslich und schwer abbaubar und reichern sich dadurch im Körper, v. a. im Fettgewebe an. Dies vollzieht sich bei Fledermäusen stärker als bei Kleinsäugern, die keinen Winterschlaf halten. [...] Solange die Fettvorräte nicht vom Körper gebraucht werden, richten die Gifte nicht unbedingt einen Schaden an. Beim Abbau des Fettes, z. B. im Winterschlaf oder auf Wanderungen, kann es zu tödlichen Giftkonzentrationen im Körper der Tiere kommen, und ebenso können Jungtiere mit der fettreichen Muttermilch letale Konzentrationen aufnehmen."

Qualifizierung der Quelle: C


3. Prognosemethoden

3.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

I. d. R. erfolgt die Wirkungsbeurteilung durch Überlagerung der vom Projekt entsprechend beeinflussten Flächen mit allen nach den Erhaltungszielen zu bewahrenden bzw. zu entwickelnden (Teil-)Habitaten.

Die betroffenen Habitate bzw. Habitatstrukturen sind hinsichtlich ihrer längerfristigen Entwicklung und der qualitativen Abweichung zu bewerten. Soweit erforderlich, sind unterschiedliche Teilhabitate der Art in der Prognose differenziert zu betrachten. Dabei sind zum einen die absoluten Habitatverluste bzw. -verschlechterungen (m²) sowie die relativen (%) bezogen auf den Gesamtbestand im Gebiet bzw. die funktional zusammengehörenden Habitate der Art zu ermitteln bzw. abzuschätzen.

Darauf aufbauend sind die qualitativen und quantitativen Funktionsverluste für die betroffenen Individuen bzw. (Teil-)Bestände zu beurteilen. Soweit möglich, ist die Prognose durch Vergleich mit standörtlich und strukturell ähnlichen Habitaten bzw. solchen, die bereits entsprechenden Veränderungen unterlagen, abzusichern.

Im jeweiligen Fall können neben dem faktischen Verlust oder der Qualitätsminderung von Habitaten / Habitatstrukturen auch der direkte Verlust von Individuen bzw. eine erhöhte Mortalitäts- und eine verringerte Fortpflanzungsrate eine wesentliche Rolle spielen und sind entsprechend in der Wirkungsprognose zu berücksichtigen.

Im Einzelfall können auch Flächen außerhalb des Gebietes zu berücksichtigen sein, sofern die betroffenen (Teil-)Habitate eine wesentliche funktionale Bedeutung für die im Gebiet vorkommenden Bestände der Art aufweisen.

Etwaige kumulative Wirkungen additiver oder synergistischer Art durch andere Wirkfaktoren des Projekts / Plans oder im Zusammenwirken mit anderen Projekten / Plänen sind zu berücksichtigen.

Im Einzelfall können aus Gründen der Prognosesicherheit auch weitergehende Methoden notwendig werden (z. B. Populationsgefährdungsanalysen, s. Rassmus et al. 2003, Lambrecht et al. 2004).

Qualifizierung der Quelle: E


4. Relevanzschwelle

4.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Soweit die Art bzw. deren Habitat nach den gebietsspezifischen Erhaltungszielen zu bewahren oder zu entwickeln ist, wird die Relevanzschwelle grundsätzlich bei jeder Einbringung von toxischen organischen Verbindungen in ein (Teil-)Habitat im Gebiet überschritten.

Im Einzelfall können Veränderungen auch außerhalb des Gebietes relevant sein, sofern die betroffenen (Teil-)Habitate eine wesentliche funktionale Bedeutung für die Bestände der Art im Gebiet aufweisen.

Qualifizierung der Quelle: E



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Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

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dirk.bernotat@bfn.de