Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Großes Mausohr - Myotis myotis

Natura 2000-Code: 1324; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 8 Gezielte Beeinflussung von Arten und Organismen
Wirkfaktor: 8-3 Bekämpfung von Organismen (Pestizide u.a.)
Relevanz des Wirkfaktors:  regelmäßig relevant (2)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (16)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (1)
  4. Relevanzschwelle (1)
  5. Erheblichkeitsschwelle (2)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Der Einsatz von Pestiziden in Habitaten von Fledermausarten ist im Wesentlichen auf Anwendungen in der land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Bewirtschaftung zurückzuführen. Auswirkungen ergeben sich direkt durch Schadstoffkonzentrationen im Individuum über die Nahrungskette.

Darüber hinaus ist die Verwendung von Holzschutzmitteln an den Hangplätzen in den Quartieren (z. B. Dachstühle) extrem problematisch. Holzschutzmittel in Quartieren werden von vielen Autoren als eine wesentliche Ursache des Populationsrückgangs bei Fledermäusen benannt. Auch vor Jahrzehnten eingebrachte Holzschutzmittel können insbesondere in Hitzeperioden wieder ausdünsten und Tiere vergiften. So sind Fälle dadurch ausgelöster Massensterben (340 tote Mausohren, 2 Graue Langohren) bekannt (MURL Sachsen-Anhalt & AK Fledermäuse Sachsen-Anhalt e.V. 1996, zit. in Tress et al. 2012:61).

Für Fledermäuse ist somit v. a. die Aufnahme der Pestizide über die Nahrung (in Mitteleuropa: Insekten) sowie über die Haut oder Atmung (Holzschutzmittel am Hangplatz) von Bedeutung. Als weiterer Aspekt kann die durch das großflächige Ausbringen von Pestiziden hervorgerufene Verknappung von Nahrungstieren eine Rolle spielen. Auch die in der konventionellen Weidewirtschaft eingesetzten Substanzen von Antiparasitenmitteln (z. B. Abamectine, Milbemyctine) fanden sich in der Muttermilch von Fledermäusen wieder und reduzieren die Besiedelung des von Weidetieren ausgeschiedenen Dungs durch koprophage Insekten (Ransome & Hutson 2000, Tress et al. 2012:63).

Die Vielfalt der ökotoxikologischen Wirkprozesse ist bei Fent (2007) dargestellt, wobei zwischen Auswirkungen auf physiologischer und zellulärer Ebene, auf der Ebene von Individuen und Populationen sowie Lebensgemeinschaften und Ökosystemen zu unterscheiden ist. Über die Verbreitung in der Umwelt geben z. B. Alloway & Ayres (1996) einen Überblick (vgl. auch "Vertiefende Ausführungen" unter "Wirkfaktoren").

Als Insektenfresser sind Fledermäuse von der Akkumulation in der Nahrungskette und der Persistenz der Pestizide oder ihrer Metabolite besonders betroffen. Pestizide können neben akuten auch chronische Auswirkungen auf Fledermäuse haben. Neben subletalen Effekten (z. B. verringerte Fruchtbarkeit) oder der Wirkung als Nervengift (z. B. Beeinflussung der Echoortung) sind auch die verzögerten Effekte (z. B. durch Mobilisation der fettlöslichen Pestizide erhöhte Mortalität im Winterschlaf oder bei Wanderungen, oder toxische Konzentrationen in der Muttermilch und erhöhte Jungensterblichkeit) von Bedeutung.

Konsequenzen können - abhängig vom Umfang - z. B. die Verringerung des Fortpflanzungserfolgs bzw. der Überlebenswahrscheinlichkeit von Individuen, Bestandsrückgang oder die Beeinträchtigung bzw. das Erlöschen lokaler (Teil-) Populationen sein.

Die nachfolgenden Datensätze sind nach den Konfliktfeldern "unmittelbare Schädigung durch Pestizide" und "Reduktion der Nahrungsressourcen" sortiert.

Detaillierte Ausführungen zur Wirkungen von Pestiziden auf Fledermäuse, eine Zusammenstellung verschiedener Fakten und Beispiele sowie Hinweise für die Planung finden sich z. B. bei:
Braun (2003:236f.), Rudolph (2004:368ff.), Dietz et al. (2007:116ff.), Stahlschmidt & Brühl (2012), Mineau & Callaghan (2018), Oliveira et al. (2020), Schanzer et al. (2022).

Hinweise auf die Wirkung von Pestiziden auf einzelne Fledermausarten finden sich z. B. in den Artkapiteln bei Braun & Dieterlein (2003), Meschede & Rudolph (2004), Dietz et al. (2007).

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 Rudolph, B.-U. (2004b)

"Fledermäuse sind durch Pestizide in dreierlei Weise gefährdet: durch Holzschutzmittel und hier insbesondere die Wirkstoffe Lindan und Pentachlorphenol (PCP), die von den Fledermäusen v. a. am Hangplatz im Quartier aufgenommen werden; durch Pflanzenschutzmittel, die insbesondere in der Landwirtschaft ausgebracht und von den Fledermäusen über belastete Nahrungstiere aufgenommen werden; durch die mit dem Einsatz von Pestiziden verbundene Reduktion der Insektendichte. [...] Pestizide können schnell zum Tod führen, wenn Fledermäuse in direkten Kontakt mit den Giften kommen (z. B. Holzschutzmittel) oder über vergiftete Nahrungstiere hohe Dosen aufnehmen."

"Insbesondere Substanzen in der Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe (CKW) wirken aber auch in geringeren Konzentrationen schädigend, da sie als Nervengifte u. a. die Echoortung beeinflussen können. Bei manchen Stoffen ist außerdem nachgewiesen, dass sie die Fruchtbarkeit von Säugetieren negativ beeinflussen können. [...] CKW sind fettlöslich und schwer abbaubar und reichern sich dadurch im Körper, v. a. im Fettgewebe an. Dies vollzieht sich bei Fledermäusen stärker als bei Kleinsäugern, die keinen Winterschlaf halten. [...] Solange die Fettvorräte nicht vom Körper gebraucht werden, richten die Gifte nicht unbedingt einen Schaden an. Beim Abbau des Fettes, z. B. im Winterschlaf oder auf Wanderungen, kann es zu tödlichen Giftkonzentrationen im Körper der Tiere kommen, und ebenso können Jungtiere mit der fettreichen Muttermilch letale Konzentrationen aufnehmen."

Qualifizierung der Quelle: E



1.03 Rudolph, B.-U., Zahn, A. & Liegl, A. (2004)

"Die steigende Anwendung von Giften hat nicht nur über die Nahrungskette Mausohren belastet, sondern auch zu einem enormen Rückgang der Großinsekten wie Maikäfer und Maulwurfsgrillen und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Nahrungsengpässen geführt."

Qualifizierung der Quelle: A



1.04 Rudolph, B.-U., Zahn, A. & Liegl, A. (2004)

Als Beutetiere kommt den nicht flugfähigen Laufkäfern in Mitteleuropa eine besondere Bedeutung zu. Dies ist wohl nicht auf eine Bevorzugung dieser Beute zurückzuführen, sondern lediglich auf deren dauerhafte Verfügbarkeit in den Jagdhabitaten. Während die Laufkäfer den Grundstock der Nahrung ausmachen, kann eine Vielzahl weiterer Gruppen die Nahrungsauswahl ergänzen. Gejagt werden auch Nachtfalter, Wiesenschnaken oder Maikäfer.

Qualifizierung der Quelle: A



1.05 Rudolph, B.-U., Zahn, A. & Liegl, A. (2004)

"Die Wirkung von Holzschutzmitteln im Quartier (v. a. Lindan) und die der Pestizide, die über die Nahrung aufgenommen wurden, dürften dabei gleichermaßen zum Rückgang beigetragen haben. Die Zeit der stärksten Abnahme des Mausohrs fällt mit der Zeit der Anwendung von DDT bis 1972 zusammen [...]. Der weiter andauernde Rückgang ist mit den Nachwirkungen dieses Giftes sowie mit den zusätzlich wirkenden Belastungen durch Holzschutzmittel zu erklären. Aktuell ist in Bayern noch mindestens ein Quartier akut mit Lindan belastet [...]. Diese Kolonie zeichnet sich durch eine hohe Jungensterblichkeit und insgesamt abnehmenden Individuenzahlen aus [...]."

Qualifizierung der Quelle: A



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Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

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dirk.bernotat@bfn.de