Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Mopsfledermaus - Barbastella barbastellus

Natura 2000-Code: 1308; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren
Wirkfaktor: 3-5 Veränderung der Temperaturverhältnisse
Relevanz des Wirkfaktors:  gegebenenfalls relevant (1)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (5)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (0)
  4. Relevanzschwelle (0)
  5. Erheblichkeitsschwelle (0)

Datensatz:    < zurück     1 - 5 von 5    weiter >

1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Fledermäuse bevorzugen bestimmte Temperaturbereiche in ihren Quartieren. Dabei kann es sowohl Minimal- als auch Maximaltemperaturen geben. Verschiedene Quellen befassen sich mit den bevorzugten Temperaturbereichen an den Hangplätzen der Tiere im Wochenstuben- und Winterquartier, vgl. z. B. Meschede & Rudolph (2004), Simon et al. (2004:97ff.) oder Reiter & Zahn (2006) (s. auch nachfolgende Datensätze).

Nach Simon et al. (2004:97) sprechen verschiedene Faktoren dafür, dass die Quartiertemperatur für Fledermäuse von Bedeutung ist. "Die Dauer der Schwangerschaften wird entscheidend durch die Umgebungstemperatur bestimmt (Audet & Fenton 1988, Racey 1969, Racey 1973, Racey & Swift 1981) und auch die Jungtierentwicklung verzögert sich bei geringen Temperaturen (Audet 1990, Hoying & Kunz 1998, Tuttle & Stevenson 1982). Außerdem kann sich die Temperatur auch auf Körpergröße und Geburtszeitpunkt von Fledermäusen auswirken (Mundinger et al. 2021). Es wird davon ausgegangen, dass thermoregulatorische Vorteile für das gesellige Verhalten von Fledermäusen verantwortlich sind (Kunz 1982) und dass die Kosten für die Thermoregulation durch entsprechendes Verhalten wie Kolonie- und Clusterbildung und Quartierwahl reduziert wird [...]."

In den Sommerquartieren und Wochenstuben ist somit i. d. R. ein höheres Temperaturspektrum energetisch optimal. Insbesondere bei Schlechtwetterperioden sollten die Quartiertemperaturen nicht zu tief fallen. Allerdings kann bei extrem hohen Temperaturen für die Tiere Hitzestress entstehen, der sie zum Ausweichen an kühlere Hangplätze veranlasst - sofern vorhanden.

In den Winterquartieren ist die Minimaltemperatur wichtig, die die Tiere vor dem Erfrieren schützt. Insofern ist i. d. R. zumindest dauerhafte Frostfreiheit von Bedeutung. Im Hinblick auf die Maximaltemperaturen ist zu berücksichtigen, dass in Einzelfällen aber auch signifikante Temperaturerhöhungen in den Winterquartieren (z. B. durch Heizungseinbau, Gebäudeausbau und -sanierung) möglicher Weise zu Beeinträchtigungen des Winterschlafs führen könnten, da bei Fledermäusen u. a. in Abhängigkeit von der Temperatur Unterbrechungen des Winterschlafs durch Wachphasen auftreten können.

Konsequenzen veränderter Temperaturverhältnisse in den Quartieren können - abhängig von Intensität und Umfang - z. B. Verlust von Teilhabitaten, Verringerung der Fortpflanzungsrate bzw. der Überlebenswahrscheinlichkeit von Individuen, Bestandsrückgang oder Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-)Bestände sein.

Vorhaben, die z. B. durch bauliche Veränderungen, durch Veränderung der Belüftungs- oder Besonnungsverhältnisse oder auf andere Art und Weise ggf. zu einer Veränderung der Temperaturen in den Quartieren der Fledermäuse führen, können sich somit schnell negativ auswirken und sind generell kritisch zu prüfen.

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Verschiedene Quellen befassen sich mit den kleinräumig bevorzugten Temperaturen in den Wochenstuben- und Winterquartieren. Die Mopsfledermaus (B. barbastellus) ist gegenüber tiefen Temperaturen an ihren Hangplätzen relativ tolerant.

Qualifizierung der Quelle: E



1.03 Hejduk, J. & Radzicki, G. (2003)

Die Hangplätze in den Winterquartieren befinden sich in vom Wetter beeinflussten kälteren Eingangsbereichen, an zugigen Stellen und sehr kalten Stellen im Winterquartier. Manchmal hängen die Tiere hier sogar unter Frosteinfluss (bis zu -12,1 °C, gemessen unter der Kolonie). Selbst bei diesen niedrigen Temperaturen flüchteten nur manche Individuen in tiefer gelegene Höhlenteile.

Qualifizierung der Quelle: D



1.04 Schober, W. & Grimmberger, E. (1998)

Die Temperaturen an den Hangplätzen im Winterquartier liegen zwischen 2 und 5 °C, seltener bis -3 °C oder tiefer.

Qualifizierung der Quelle: D



1.05 Nagel, A. (2003)

Bei Nagel (2003:495) sind eine Reihe von Arbeiten aufgeführt, die ein weites Spektrum tolerierter Temperaturen im Winterquartier nahe legen, wobei die am häufigsten gemessenen Werte in Höhlen zwischen 0 und 6 °C liegen, minimale Temperaturen von -14 °C sind in der Literatur bekannt. Erfrorene Tiere in Felsspalten und sogar in Höhlen sind dokumentiert, auch wenn die Mopfledermaus als "relativ kälteresistente Fledermausart" gilt, die "meist im bewetterten Eingangeberich von Winterquartieren ihren Hangplatz sucht" (Nagel & Braun 2003:622).

Eine Änderung von Temperaturverhältnissen als Beeinträchtigungsfaktor konnte in der Literatur nicht ermittelt werden, hier dominieren eindeutig Beunruhigungen und Störungen (z. B. Höhlentourismus, Freizeitaktivitäten wie Feuerstellen im Höhleneingangsbereich etc.) (Anm. BearbeiterInnen FFH-VP-Info).

Qualifizierung der Quelle: E



Datensatz:    < zurück     1 - 5 von 5    weiter >

Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

Wenn Sie uns Hinweise auf weitere wissenschaftliche Quellen oder Anregungen zu FFH-VP-Info geben wollen, schreiben Sie eine kurze Notiz an:
dirk.bernotat@bfn.de