Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Mopsfledermaus - Barbastella barbastellus

Natura 2000-Code: 1308; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 4 Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
Wirkfaktor: 4-3 Betriebsbedingte Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
Relevanz des Wirkfaktors:  regelmäßig relevant (2)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (22)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (3)
  4. Relevanzschwelle (1)
  5. Erheblichkeitsschwelle (5)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Die betriebsbedingte Mortalität / Tötung von Fledermäusen resultiert insbesondere aus Kollisionen mit Kraftfahrzeugen und Zügen sowie ggf. Flugzeugen, die teilweise in großem Umfang zu schwerwiegenden Verletzungen oder direktem Tod der Individuen führen. Die Mortalität an Windenergieanlagen wird unter Wirkfaktor 4-2 behandelt.

Eine betriebsbedingte Barrierewirkung entsteht dann, wenn die Mortalität / Tötung aufgrund kritischer räumlicher Konstellationen ein hohes Maß annimmt oder wenn andere Faktoren zur Meidung bestimmter Bereiche führen und somit eine Barrierewirkung herbeiführen oder verstärken. Barrierewirkungen führen zu Lebensraumzerschneidung und somit u. a. zur Beeinträchtigung bzw. Trennung von räumlich-funktionalen Beziehungen (z. B. zw. Wochenstuben und Nahrungshabitaten oder zw. verschiedenen Quartieren).

Barrierewirkungen / Mortalität können - abhängig vom Umfang - zu Verlust von Teilhabitaten, Verringerung des Fortpflanzungserfolgs, zu Individuenverlust, Bestandsrückgang oder Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-)Populationen führen.

Die nachfolgenden Datensätze sind nach den Konfliktfeldern A: "Straßenverkehr" und B: "Schienenverkehr" sortiert.

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

A: Straßenverkehr

Dass Straßen zu Verlusten bei Fledermäusen führen, ist bekannt und bereits vielfach dokumentiert. Kollisionen mit Fahrzeugen ergeben sich beim Überflug über die Straße oder beim Jagdflug im Trassenbereich zur Nahrungssuche. Bei manchen Arten oder in bestimmten räumlichen Konstellationen kann auch ein gewisser Falleneffekt von Straßen ausgehen, z. B. wenn sich bei bestimmten Wetterlagen besonders viele nachtaktive Insekten über aufgeheizten Straßenbelägen aufhalten oder durch Lichtquellen (z. B. Straßenlaternen, Autoscheinwerfer) angezogen werden.

Bei den Beobachtungen zur Mortalität von Fledermäusen an Straßen wurden mehr oder weniger aus allen taxonomischen Gruppen und ökologischen Gilden Opfer registriert, so dass davon auszugehen ist, dass grundsätzlich alle Arten von Verkehrsverlusten betroffen sein können. Allerdings zeichnen sich in Empfindlichkeit bzw. Gefährdung z. T. deutliche artspezifische Unterschiede ab. Basierend auf Erkenntnissen und Einschätzungen zu Flughöhe, Mobilität, Strukturbindung beim Flug und nachgewiesenen Totfunden kann das artspezifische Kollisionsrisiko an Straßen bzw. dessen Relevanz eingestuft werden. Dies können nur erste Einschätzungen auf Artniveau sein, das konkrete Gefährdungspotenzial muss immer unter Berücksichtigung des konstellationsspezifischen Risikos des konkreten Einzelfalls (s. ff. Datensätze) ermittelt werden.

Obwohl es sich bei Fledermäusen um eine sehr mobile Artengruppe handelt, ist von einer gewissen Barrierewirkung von Autobahntrassen auf manche Fledermausarten auszugehen. Für Fledermausarten, die in besonderer Weise an Leitstrukturen gebunden sind, kann eine Trasse auch ohne fließenden Verkehr eine gewisse Trennwirkung entfalten.

Differenzierte Ausführungen zu Mortalität / Barrierewirkung an Straßen, eine Zusammenstellung verschiedener Fakten und Beispiele sowie Hinweise für die Planung finden sich z. B. bei:
Krull et al. (1991), Merz (1993), Kiefer & Sander (1993), Blake et al. (1994), Rackow & Schlegel (1994), Kiefer et al. (1995), Haensel & Rackow (1996), Bafaluy (2000), Lesinski & Gwardjan (2001), Richarz (2000), Rudolph (2004:372ff.), Biedermann et al. (2004), Arthur & Lemaire (2005), Limpens et al. (2005), Brinkmann (2005), Capo et al (2006), National Roads Authority (2006), NACHTaktiv & SWILD (2006), Lesinski (2007, 2008), Bach (2008), Bach & Limpens (2008), Arbeitsgemeinschaft Querungshilfen (2008), Kerth & Melber (2009), FÖA Landschaftsplanung (2009), Gaisler et al. (2009), Russel et al. (2009), Lesinski et al. (2011), O"Connor et al. (2011), Berthinussen & Altringham (2012a), Abbott et al. (2012), Medinas et al. (2013), Dietz & Kiefer (2014:28f.), Abbott et al. (2015), Altringham & Kerth (2016), Fensome & Mathews (2016), Nowicki et al. (2016), Karst et al. (2019), Roemer et al. (2020), Laforge et al. (2022), Matthews et al. (2025).

Leitfäden/Arbeitshilfen:
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (Hrsg.) (2023),
Bernotat & Dierschke (2021h, Teil II.7),
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (Hrsg.) (2020),
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit u. Verkehr (Hrsg.) / Brinkmann et al. (2012),
Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2011).

Qualifizierung der Quelle: E



1.03 Brinkmann, R., Biedermann, M., Bontadina, F., Dietz, M., Hintemann, G., Karst, I., Schmidt, C. & Schorcht, W. (2012)

Zunehmend wird bekannt, dass Fledermäuse trotz ihrer Flugfähigkeit durch Kollisionen mit Fahrzeugen zu Tode kommen. Von fast allen in Mitteleuropa vorkommenden Fledermausarten wurden bereits Verkehrsopfer, mehrheitlich "zufällig" an Straßen gefunden. [...] Mehrere Untersuchungen belegen, dass Totfunde gehäuft in den Trassenbereichen gefunden wurden, die von Fledermäusen bevorzugte Leitstrukturen kreuzen oder attraktive Jagdgebiete, wie z. B. Wälder oder Gewässer, queren. Jahreszeitlich traten bei den bisherigen Untersuchungen verstärkt Totfunde im Hoch- und Spätsommer auf. In dieser Zeit sind die Jungtiere bereits flügge und die Fledermäuse unternehmen größere Ortswechsel zu ihren Balz-, Schwarm- und Winterquartieren.

Fledermäuse können beim niedrigen Überflug von Straßen (wie z. B. auf Transferflügen) oder auch beim Beutefang (Jagdflug) mit Fahrzeugen kollidieren. Auf den Transferflügen sind insbesondere Arten betroffen, die sich sehr strukturgebunden orientieren. Weniger strukturgebunden fliegende Arten, wie z. B. der Abendsegler, sind vor allem während ihrer straßennahen Jagdflüge durch Kollisionen gefährdet. Aufgewärmte Asphaltdecken und starke Lichtquellen (Autoscheinwerfer, Straßenlaternen) locken nachtaktive Insekten an, die von diesen Fledermausarten spontan als reichhaltiges Nahrungsangebot erkannt und als Nahrungsquelle sofort genutzt werden (nach Brinkmann et al. 2012:28).

Qualifizierung der Quelle: A



1.04 Rudolph, B.-U. (2004b)

Fledermäuse werden regelmäßig Opfer des Autoverkehrs, allerdings ist das Ausmaß der möglichen Gefährdung, die daraus resultiert nicht genau zu bestimmen, weil systematische Untersuchungen fehlen. Fledermäuse werden an allen Straßentypen (selbst Feldwegen) und offenbar in verschiedensten Flugsituationen Opfer des Autoverkehrs. Das Ortungssystem der Fledermäuse ist nicht geeignet, die Gefährdung durch mit großer Geschwindigkeit herannahenden Autos rechtzeitig zu erkennen.

Qualifizierung der Quelle: C



1.05 Rudolph, B.-U. (2004b)

Der Autor, der die in Bayern gefundenen Verkehrsopfer analysiert, kann keine Häufung dieser Opfer im innerörtlichen Bereich erkennen. Die höchsten Opferzahlen werden im August erreicht, wenn durch die Jungtiere die Populationsdichte erhöht wird und diese aufgrund ihrer Unerfahrenheit gleichzeitig einer erhöhten Gefährdung unterliegen dürften. Die meisten der bekannt gewordenen Verkehrsopfer wurden von Autos erfasst, weitere Tötungen durch Züge, ein Fahrrad und einen Traktor sind belegt.

Qualifizierung der Quelle: C



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Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

Wenn Sie uns Hinweise auf weitere wissenschaftliche Quellen oder Anregungen zu FFH-VP-Info geben wollen, schreiben Sie eine kurze Notiz an:
dirk.bernotat@bfn.de