Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Mopsfledermaus - Barbastella barbastellus

Natura 2000-Code: 1308; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 5 Nichtstoffliche Einwirkungen
Wirkfaktor: 5-1 Akustische Reize (Schall)
Relevanz des Wirkfaktors:  regelmäßig relevant (2)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (8)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (1)
  4. Relevanzschwelle (1)
  5. Erheblichkeitsschwelle (2)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Akustische Reize können auf unterschiedliche Weise zu Beeinträchtigungen von Fledermäusen führen.

A: Störung im Bereich der Quartiere
Fledermäuse sind in ihren Quartieren empfindlich gegenüber Störungen, die auch aus akustischen Reizen resultieren können, zumal diese häufig kumulativ mit anderen störenden Wirkfaktoren (z. B. 5-3, 5-4) verbunden und von diesen ursächlich nicht immer eindeutig zu unterscheiden sind.

Konsequenzen von akustischen Störungen in Quartieren können die Aufgabe der Quartiere oder Abwanderung bzw. Vergrämung eines hohen Anteils an Individuen und somit Bestandsrückgang oder Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-)Bestände sein.


B: Störung im Bereich der Nahrungshabitate
Fledermäuse orientieren sich im Flug und bei der Beutesuche insbesondere aktiv akustisch mittels Echoortung. Bei einzelnen Arten (insbesondere Bechsteinfledermaus, Großes Mausohr, Braunes und Graues Langohr) spielt daneben aber auch eine passiv akustische Orientierung eine Rolle, d. h., sie nutzen die Geräusche der Beutetiere, um diese zu finden. Durch z. B. verkehrsbedingte Verlärmung der Jagdhabitate können diese Beutetiergeräusche teilweise "maskiert" werden. Dadurch kann der Jagderfolg dieser Arten in trassennahen Jagdhabitaten reduziert werden.

Dies wurde von Schaub et al. (2008) im Rahmen von Grundlagenforschung zu den Auswirkungen von Verkehrslärm auf das Verhalten von Großen Mausohren festgestellt (vgl. auch Siemers & Schaub 2010). Dabei wurde ermittelt, dass sich die Frequenzbereiche von Laufkäfergeräuschen und Verkehrslärm weitgehend überlappen und es zu Maskierungseffekten kommen kann, die die Suchzeiten bis zum Beutefang erhöhen und den Jagderfolg der Fledermäuse reduzieren.

Der auf dem F+E-Vorhaben "Zerschneidungswirkungen von Straßen und Schienenverkehr auf Fledermäuse. Quantifizierung und Bewältigung verkehrsbedingter Trennwirkungen auf Fledermauspopulationen als Arten des Anhangs der FFH-Richtlinie" basierende Entwurf der "Arbeitshilfe Fledermäuse und Straßenverkehr" (FÖA Landschaftsplanung 2011:38) sieht einen methodischen Vorschlag zur planerischen Bewertung der Beeinträchtigungen der Habitateignung in Form gradueller Funktionsminderungen (in %) für passiv akustisch ortende Fledermausarten in Abhängigkeit von der Verkehrsbelastung und der Entfernung vom Straßenrand vor. Zu den passiv detektierenden Fledermausarten zählen insbesondere die Arten Bechsteinfledermaus, Großes Mausohr und die beiden Langohr-Arten.

Auch Steck & Brinkmann (2013:169) schlagen für diese Arten die planerische Berücksichtigung gradueller Funktionsminderungen - der Einfachheit halber in Form einer linearen Abnahme der Beeinträchtigung vor (zwischen 100 % unmittelbar am Straßenrand und 0 % in einer Entfernung von 50 m).

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 Nagel, A. (2003)

"Die Mopsfledermaus gilt als am Quartier störungsanfällige [...] Art".

Qualifizierung der Quelle: A



1.03 Rudolph, B.-U. (2004b)

"Problematisch erscheinen [...] Störungen durch Feste und andere Feiern in Verbindung mit Lagerfeuern in Eingangsbereich von Höhlen."

Qualifizierung der Quelle: C



1.04 Thomas, D. W. (1995)

Der Autor weist in einem (mit 1.300 Tieren besetzten) Winterquartier in Kanada nach, dass die Fledermausaktivität nach Besuchen von Menschen "dramatisch zunimmt". 30 Minuten nach dem Besuch beginnt die Aktivität zu steigen, erreicht 1 bis 7,5 Stunden später seinen Höhepunkt und ist noch nach 2,5 bis 8,5 Stunden signifikant höher.

Qualifizierung der Quelle: C



1.05 Rudolph, B.-U. (2004a)

Störungen der Schwarm- und der Winterquartiere (z. B. durch Höhlentourismus, Feuerstellen, Freizeitaktivitäten im Höhleneingangsbereich) stellen schwerwiegende Beeinträchtigungen dar und müssen vermieden werden (Rudolph 2004:352f.). Neben Freizeitaktivitäten spielen v. a. Nutzungsänderungen von Kellern und Stollen eine wichtige Rolle (z. B. Pläne zur Nutzung alter Bahntunnel, Renovierung von Gewölben und Kasematten in Burgen, touristische Nutzung von Gewölben) (nach Rudolph 2004:352).

Qualifizierung der Quelle: D



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Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

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dirk.bernotat@bfn.de