Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Eschen-Scheckenfalter - Euphydryas maturna

Natura 2000-Code: 1052; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung
Wirkfaktor: 2-3 Intensivierung der land-, forst- oder fischereiwirtschaftlichen Nutzung
Relevanz des Wirkfaktors:  regelmäßig relevant - besondere Intensität (3)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (7)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (1)
  4. Relevanzschwelle (1)
  5. Erheblichkeitsschwelle (1)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Da die Art an lichte Waldstandorte mit einer ganz speziellen, extensiven Bewirtschaftungsform (z. B. Mittel- oder Niederwald) gebunden ist, sind alle Formen der Nutzungsintensivierung relevant.
Hierzu zählen Aufforstung, großflächiger Kahlschlag und Beweidung (s. ff. Datensätze). Ursprünglich besiedelte E. maturna klimatisch begünstigte Auwälder und wich dann auf als Nieder- oder Mittelwald bewirtschaftete feucht-warme Standorte aus (Weidemann 1995:484, Ebert & Rennwald 1991a:539, Pretscher 2000c:440).

Weiterhin können alle Maßnahmen, die das richtige raum-zeitliche Mosaik der Raupenfraßpflanzen beeinträchtigen und einen Eschen-Jungaufwuchs verhindern, von Bedeutung sein.

Anmerkung: Pestizide werden separat unter Wirkfaktor 8-3 behandelt.

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 Ebert, G. & Rennwald, E. (Hrsg.) (1991a)

"Forstliche Eingriffe, insbesondere in den empfindlichen Bereich der Waldsäume und Aufforstung der Lichtungen, [...] dürften in erster Linie an der extrem rückläufigen Bestandesentwicklung in Baden-Württemberg schuld sein."

Durch Aufgabe der extensiven Bewirtschaftungsformen dürfte die Art bereits an einigen Stellen erloschen sein, da die Wälder dann zum Hochwald durchwachsen (Weidemann 1995:480).

"In großen Kahlschlagflächen vertreibt der Wind die Feuchte. Solche Flächen sind ungeeignet für maturna" (Weidemann 1995:484).

Qualifizierung der Quelle: A



1.03 Pretscher, P. (2000c)

"Die Beweidung von randlichen Lichtungen mit Schafen scheint sich angesichts der derzeitigen Überweidung nicht zu bewähren. Die Schafe fressen nicht nur den Blütenhorizont ab, sondern auch den Eschenjungwuchs."

"Die Folgen sind fehlende Saugpflanzen-Blüten und Jung-Eschen mit Krüppelwuchs. Durch Verbiss der Spitzentriebe entwickelt sich lediglich ein Zwieselwuchs" (s. a. Wirkfaktor 5-5).

Die Intensität der Beweidung scheint von besonderer Bedeutung zu sein, da viele der Habitate ursprünglich durch anthropo-zoogene Einflüsse (Waldweide) entstanden sind (Weidemann 1995:480).

Qualifizierung der Quelle: A



1.04 Drews, M. (2003e)

Als Gefährdungsursachen für E. maturna werden genannt: "Aufforstungen von Waldlichtungen sowie forstliche Eingriffe im Bereich des Waldmantels, Beseitigung oder Mahd blütenreicher Waldwegsäume, Aufgabe der Mittelwaldnutzung. [...] Verbuschung und Wiederbewaldung von Waldlichtungen, jagdliche Aktivitäten (Anlage von Wildäckern, Kirrplätzen oder Lagerstätten für Wildfutter auf Waldlichtungen), Überweidung von randlichen Lichtungen mit Schafen (Verbiss des Eschenjungwuchses und Abfressen des Blütenhorizontes) [...]."

Qualifizierung der Quelle: A



1.05 Freese, A., Benes, J., Bolz, R., Cizek, O., Dolek, M., Geyer, A., Gros, P., Konvicka, M., Liegl, A. & Stettmer, C. (2006)

Forstliche Intensivierung wird von Freese et al. (2006:388) aufgrund des Verlustes der benötigten lichten, feucht-warmen Waldstrukturen als ein wichtiger Gefährdungsfaktor für die Art benannt, da sowohl eine zu geringe als auch eine zu hohe Besonnung innerhalb der Waldbestände der Art abträglich ist. Ein weiterer limitierender Faktor ist die floristische Zusammensetzung der Wälder, da nicht nur die Esche eine wichtige Raupennahrungspflanze ist, sondern überwinterte Raupen auch verschiedene krautige Pflanzen fressen und Imagines von einer gewissen Nektarversorgung abhängig sind. E. maturna ist abhängig von heterogenen frühen Sukzessionsstadien, die früher durch alte Bewirtschaftungsformen wie Mittelwald und Waldweide bereitgestellt wurden.

"The knowledge of ecological requirements of declining butterflies of European woodlands remains limited, which hinders conservation management of their localities. This also applies for continentally threatened scarce fritillary Euphydryas maturna. On the basis of the largest data set on its habitat use ever collected in Central Europe, we analyse habitat requirements of its populations in Austria (A), the Czech Republic (Cz) and Germany (D). All studied populations inhabit open-canopy sites within woodlands, but larval survival decreases under full sun and preferred sites are relatively humid and sheltered. Nests of pre-hibernation larvae occur at terminal branches of Fraxinus excelsior, 1.5-3 m above the ground. Pre-hibernation mor tality reaches 70% (Cz, D). Another limiting factor is quality of woodland vegetation: post-hibernation larvae consume a wide range of herbs and shrubs, and adult distribution is linked to nectar availability. The butterfly thus depends on highly heterogeneous early successional stages of deciduous woods, historically maintained by coppicing (Cz, D) and forest pasture (A). Restoration of these traditional methods offers the only chance for survival of E. maturna in Central Europe, and the butterfly may become a flagship for other threatened organisms of open-canopy woodlands."

Qualifizierung der Quelle: D



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Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

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dirk.bernotat@bfn.de