Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Eschen-Scheckenfalter - Euphydryas maturna

Natura 2000-Code: 1052; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 8 Gezielte Beeinflussung von Arten und Organismen
Wirkfaktor: 8-3 Bekämpfung von Organismen (Pestizide u.a.)
Relevanz des Wirkfaktors:  regelmäßig relevant - besondere Intensität (3)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (5)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (1)
  4. Relevanzschwelle (1)
  5. Erheblichkeitsschwelle (1)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Pestizide bzw. insbesondere Insektizide sind grundsätzlich geeignet, Beeinträchtigungen von Schmetterlingen hervorzurufen, wenn sie in ihre Habitate ausgebracht oder durch Wind verdriftet werden.

Herbizide können ggf. negative Auswirkungen auf wichtige Falter- oder Raupenfutterpflanzen haben und somit indirekt zu Beeinträchtigungen führen.

Konsequenzen des Pestizideinsatzes können - abhängig vom Umfang - die Verringerung der Fortpflanzungsrate bzw. der Überlebenswahrscheinlichkeit von Individuen, Bestandsrückgang oder Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-)Bestände sein.

Ausführungen zu Wirkungen von Pestiziden auf Schmetterlinge, eine Zusammenstellung verschiedener Fakten und Beispiele sowie Hinweise zur Vermeidung finden sich z. B. bei:
Sparks & Parish (1995), Bolz (1995), Longley & Sotherton (1997), Hacker (1997), Snoo et al. (1998), Scriber (2004), Nagy et al. (2015), Gilburn et al. (2015), Mulé et al. (2017), Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) & Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. (2025).

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 Bolz, R. (1995)

Eine Beeinträchtigung ist v. a. durch das Ausbringen von Insektiziden zu erwarten. Die Auswirkungen des Dimilin- und Btk-Einsatzes im Steigerwald (1993 und 1994) zur Bekämpfung des Schwammspinners (Lymantria dispar) werden von Bolz (1995) dokumentiert. Nach einem Populationsmaximum der Art 1993 im Untersuchungsgebiet brach im Folgejahr die Population zusammen.

"Vom Maivogel konnte keine einzige Raupe, kein Falter und keine Raupennester mehr festgestellt werden."

"Auf Dimilin-behandelten Flächen ist aufgrund der Persistenz der Wirkung [...] ein weiterer Effekt auf solche Arten zu erwarten, die ihre Eier an alte, bereits im Frühjahr getriebene Blätter heften (z. B. [...] Euphydryas maturna), [...]."

Die Auswirkungen des biologischen Bekämpfungsmittels Btk (Bacillus thuringiensis kurstaki) scheinen geringer, da dieses Mittel nur eine kurze Zeit seine Wirkung beibehält und nicht alle schlüpfenden L1-Raupen betroffen sind. Eine genaue Abgrenzung der Wirkungsweisen von Dimilin und Btk ist im Beispiel Steigerwald nicht möglich. Das Aussparen "biologischer Fenster", die gar nicht bzw. nur mit Btk behandelt werden, hat sich dort als nicht sinnvoll erwiesen. Die Flächen waren dort entweder zu klein oder wurden durch Abtrift des Insektizids, das per Hubschrauber ausgebracht wurde, doch mitbehandelt. Eine Wiederbesiedlung der behandelten Gebiete schließt der Autor wegen der lokalen Vorkommen des Maivogels aus.

Qualifizierung der Quelle: A



1.03 Weidemann, H.-J. (1995)

Die negativen Auswirkungen des Dimilin-Einsatzes im Steigerwald wurden auch von Weidemann beobachtet. Der Häutungshemmer Dimilin ist seiner Meinung nach v. a. für die Arten gefährlich, die ältere, harte Blätter befressen. Indirekte Auswirkungen können durch die Abwanderung von Parasitoiden aus behandelten in unbehandelte Flächen hervorgerufen werden.

"Dies führt zu einem verstärkten Befall dort lebender Larven, häufig auch seltener Arten" (Weidemann & Köhler 1996:366).

Qualifizierung der Quelle: A



1.04 Drews, M. (2003e)

Als Gefährdungsursachen für E. maturna wird unter anderem genannt: "Insektizideinsatz (durch die Bekämpfung von Forstschädlingen, z. B. beim Einsatz des Häutungshemmers Dimilin gegen den Schwammspinner, werden die Falter direkt oder indirekt über einen erhöhten Parasitendruck massiv geschädigt)."

Qualifizierung der Quelle: A



1.05 Dolek, M., Freese, A., Geyer, A. & Bolz, R. (2005)

Bei dem erneuten Dimilin-Einsatz im Steigerwald 2005 konnte auf Basis der genauen Kenntnis zur Verbreitung von E. maturna und mittels einer engen Zusammenarbeit mit den Einsatzleitern der Dimilin-Spritzung ein Einsatz des Insektizides in den E. maturna-Vorkommensbereichen verhindert werden. Das nachfolgende Monitoring ergab, dass die Art vom Dimilin-Einsatz nicht beeinträchtigt wurde (Dolek et al. 2005:37).

Qualifizierung der Quelle: A



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Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

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dirk.bernotat@bfn.de