Detaildaten zu Beinträchtigungen: FFH-Arten

Haarstrangwurzeleule - Gortyna borelii lunata

Natura 2000-Code: 4035; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 4 Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
Wirkfaktor: 4-3 Betriebsbedingte Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
Relevanz des Wirkfaktors:  regelmäßig relevant (2)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (4)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (1)
  4. Relevanzschwelle (1)
  5. Erheblichkeitsschwelle (2)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Die betriebsbedingte Mortalität / Tötung von Schmetterlingen resultiert insbesondere aus Kollisionen mit Kraftfahrzeugen an Straßen oder Zügen, die i. d. R. zu direktem Tod oder aber zu schwerwiegenden Verletzungen (u. a. durch Verwirbelung) der Individuen führen. Die Tiere sind ggf. auf ihren Wanderungen zwischen verschiedenen Teilhabitaten oder im Rahmen der (ungerichteten) Ausbreitung betroffen. Die aus bestimmten Formen der Nutzungsausübung (z. B. Landwirtschaft) resultierende Mortalität wird unter Wirkfaktor 2-3 behandelt.

Eine betriebsbedingte Barrierewirkung entsteht dann, wenn die Mortalität / Tötung aufgrund kritischer räumlicher Konstellationen ein hohes Maß annimmt oder wenn andere Faktoren (s. unter Wirkfaktorgruppe 5) zur Störung bzw. Meidung bestimmter Bereiche führen und somit eine Barrierewirkung herbeiführen oder verstärken. Barrierewirkungen führen zu Lebensraumzerschneidung und somit u. a. zur Beeinträchtigung bzw. Trennung räumlich-funktionaler Beziehungen zw. Teilhabitaten, zu Verinselung, Verhinderung des Individuen- / Genaustauschs zw. Populationen bzw. einer Neubesiedelung von Habitaten.

Barrierewirkungen / Mortalität können - abhängig vom Umfang - zu Verlust von (Teil-)Habitaten, Bestandsrückgang oder zu Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-)Populationen führen.

Angaben zur Mortalität von Schmetterlingen an Straßen oder Schienenwegen sowie einige Fakten und Beispiele finden sich z. B. bei v. Rheinbaben (1991), Hammerich (1993), Brehm & Brehm (1997), Skórka et al. (2013), Skórka et al. (2015), Borda-de-Água et al. (2017) oder Skórka et al. (2018).

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Insbesondere bei Neuerrichtung oder Ausbau stark frequentierter Verkehrswege zwischen bzw. innerhalb der Lebensstätten bestehender (Meta-)Populationen dürfte dieser Faktor für die Art relevant sein.

Insbesondere im Zusammenspiel mit dem Wirkfaktor Licht (s. Wirkfaktor 5-3) könnte Straßenverkehr im Nahbereich von Habitaten (Entfernung <0,5 km) erhebliche Individuenverluste verursachen. Konkrete Angaben hierzu fehlen jedoch.

Qualifizierung der Quelle: E



1.03 Hammerich, D. (1993)

Der Autor untersuchte zwischen dem 27.04. und 07.10.1992 das durch den Straßenverkehr getötete Tierartenspektrum (Vögel, Libellen, Tag- und Nachtfalter) entlang eines 1,5 km langen Teilabschnitts einer Kreisstraße (7.000-13.000 Kfz/Tag; vorgeschriebene Maximalgeschwindigkeit 70 km/h), die einen Schilf- und Feuchtwiesenkomplex durchläuft. Unter den festgestellten 3.388 durch den Verkehr getöteten Großinsekten waren Tag- und Dickkopffalter mit 2.060 Individuen aus 30 Arten und Nachtfalter mit 767 Individuen aus 99 Arten (darunter zusammen 48 nach Roter Liste gefährdete Arten) enthalten (Hammerich 1993:160ff.).

"Bei allen Wirbellosen haben Luftverwirbelungen, die von Fahrzeugen verursacht werden, eine weitaus größere Wirkung als bei flugfähigen Vertebraten. Damit vervielfacht sich der von einem Automobil ausgehende Gefährdungsraum auf diese Tiergruppen. Wie Beobachtungen ergaben, sind Großfahrzeuge in dieser Hinsicht besonders wirkungsvoll. Besonders starke Auswirkungen hatte der Straßenverkehr vermutlich auf die Lokalpopulationen einiger massenweise getöteten Arten" (Hammerich 1993:149f.).

"In kühlen Nächten wird die wärmespeichernde Straßentrasse, von den auf Wärme reagierenden Nachtfaltern aufgesucht, die sich im Fluge überdies bevorzugt an der durch die Straße erzeugten Biotopstufe als Leitlinie orientieren [...]." Besonders der Nachtfalterart Piludoria potatoria "wurde diese Verhaltensweise an der Untersuchungsstrecke zum Verhängnis". "Vor allem die schwärmenden Männchen wurden in großen Mengen durch den Straßenverkehr getötet." Hier muss eine "Gefährdung oder zumindest eine starke Schwächung der lokalen Population angenommen werden" (Hammerich 1993:150).

Der Autor geht davon aus, dass die hohen Verlustzahlen bei einigen Arten negative Auswirkungen in "bestandsbedrohendem Umfang" auf die lokale Population haben können (Hammerich 1993:160ff.).

Qualifizierung der Quelle: E



1.04 Brehm, G. & Brehm, K. (1997)

Von den Autoren wurden in einem Bereich mit Bundesstraße und Schienenweg angrenzend an ein Naturschutzgebiet sehr hohe Individuenverluste von Schmetterlingen festgestellt. Unter den 25 Arten waren neben Iphiclides podalirius (Segelfalter), Papilio machaon (Schwalbenschwanz), Limenitis camilla (Kleiner Eisvogel) und Euplagia quadripunctaria (Spanische Flagge) auch 30 Parnassius apollo vinningensis (Mosel-Apollofalter). Insbesondere für diese Art halten die Autoren die hohen Verkehrsverluste als für die Population nicht zu vernachlässigen. Das Beispiel verdeutlicht, dass es Fallkonstellationen geben kann, in denen verkehrsbedingte Mortalität auch bei Tagfaltern zu erheblichen Beeinträchtigungen führen könnte.

"Die größte Anzahl an toten Faltern fanden wir in einem ca. 1 km langen Abschnitt der Bundesstraße 49 im Bereich des Naturschutzgebietes (NSG) Dortebachtal zwischen Klotten und Pommern. Die Mosel verläuft hier von West nach Ost. An ihrem Nordufer befindet sich die B 49. Parallel dazu, einen schmalen Streifen Reben einschließend, verläuft die Strecke Trier-Koblenz der Bahn, an die nördlich das Naturschutzgebiet anschließt. In der Woche vom 9.-16.7.1995 fanden wir bei täglich ein bis zwei Kontrollen an der Straße über 30 tote Apollofalter [...]. Die Zählungen wurden nicht unter streng standardisierten Bedingungen durchgeführt. Die quantitative Angabe von über 30 Exemplaren des Apollos dürfte geringer sein als die tatsächliche Zahl verunglückter Falter. [...] Es zeigte sich, daß die toten Falter vom Fahrtwind der Fahrzeuge weiter weg in die Straßenbankette gewirbelt wurden. Dort waren sie in höherer Vegetation nicht leicht zu entdecken. Teilweise gerieten sie auch die steile Böschung bzw. Mauer zur Mosel hinab, so daß sie nicht erfaßt werden konnten. Tiere, die beispielsweise auf dem Kühlergrill von Fahrzeugen hängenblieben, blieben ebenso ungezählt" (Brehm & Brehm 1997:33).

"Viele Falter versammelten sich z. B. an wenigen Wasserdost-Pflanzen (Eupatorium cannabinum) am südlichen Rande des Gebietes neben der Eisenbahnstrecke. Wiederholt wurden Falter bei ihrer gefährlichen Passage zum Moselufer über die stark befahrene B 49 beobachtet. Dort blühte üppig Echter Dost (Origanum vulgare) [...]. Die attraktiven Blüten des Moselufers stellten eine 'Falle' für die hungrigen Falter dar. Nach unserem Eindruck werden relativ schwere Insekten wie der Apollo häufiger von Fahrzeugen erfaßt als leichte, die eher fortgewirbelt werden können. Welche Auswirkungen haben die Bundesstraße und die Bahnstrecke aber nun tatsächlich auf die Population?"

"Für die 1983 ausgestorbene Population des Apollos im Höllental im Schwarzwald nennt NIKUSCH (1993) auch den Verkehr als Gefährdungsfaktor: "Auf der Suche nach Blütenpflanzen gerieten die Falter immer wieder auf die stark frequentierte Bundesstraße oder die Bahngleise und fielen dabei dem Verkehr zum Opfer. Tote bzw. verletzte Tiere konnten noch in den letzten Jahren vor dem Aussterben mehrfach am Straßenrand bzw. zwischen den Bahngleisen beobachtet werden.'"

Qualifizierung der Quelle: E


3. Prognosemethoden

3.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Bei der Wirkungsprognose sind die qualitativen und quantitativen Betroffenheiten der Art durch betriebsbedingte Barrierewirkungen und / oder Mortalität einzuschätzen (vgl. auch Lambrecht et al. 2004:147ff. zu individuenbezogenen Beeinträchtigungen). Dabei sind die Wirkintensität des Projekts und seiner Bestandteile (z. B. Lage im Raum, Verkehrsintensität u. -geschwindigkeit) und die Empfindlichkeit der Art (z. B. Mobilität, Aktionsräume, Fortbewegungsgeschwindigkeit, Verhalten bei Gefahr, räumlich-funktionale Beziehungen) zu analysieren.

Es sind alle relevanten (Teil-)Habitate sowie die räumlich-funktionalen Beziehungen zwischen Teilhabitaten mit den vom Projekt beanspruchten Flächen zu überlagern. Grundsätzlich ist insbesondere die Betroffenheit der räumlich-funktionalen Beziehungen zwischen den verschiedenen Teilhabitaten einer Art auf Individuums- und / oder Bestandsniveau qualitativ und quantitativ einzuschätzen.

Es sind die quantitativen und qualitativen Funktionsverluste für die betroffenen Individuen bzw. (Teil-)Populationen zu beurteilen. Zudem ist die Beurteilung der vorhandenen Bestandsgrößen und eine Einschätzung der langfristigen Auswirkungen der Barrierewirkungen bzw. Mortalität auf die Bestände im Gebiet vorzunehmen.

Im Einzelfall können auch Flächen außerhalb des Gebietes zu berücksichtigen sein, sofern die betroffenen (Teil-)Habitate eine wesentliche funktionale Bedeutung für die im Gebiet vorkommenden Bestände der Art aufweisen.

Eine Berücksichtigung etwaiger kumulativer Wirkungen additiver oder synergistischer Art durch andere Wirkfaktoren des Projekts / Plans oder im Zusammenwirken mit anderen Projekten / Plänen ist notwendig.

Im Einzelfall können aus Gründen der Prognosesicherheit auch weitergehende Methoden notwendig werden (z. B. Populationsgefährdungsanalysen, s. Rassmus et al. 2003, Lambrecht et al. 2004).

Qualifizierung der Quelle: E



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Reports: aktueller Wirkfaktor   aktuelle Wirkfaktorengruppe   alle Wirkfaktoren
 

Qualifizierung der Quellen für FFH-Arten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

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dirk.bernotat@bfn.de