Erläuterung der Relevanzeinstufung

18 Fischereiwirtschaft >> Meeresfischerei >> 4-3 Betriebsbedingte Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust


Wirkfaktorengruppe:
4 Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
   
Wirkfaktor:
4-3 Betriebsbedingte Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
   
Relevanz des Wirkfaktors: 
regelmäßig relevant (2)


Erläuterungen

Meeresfischerei führt regelmäßig zu Beeinträchtigungen durch betriebsbedingte Individuenverluste.

Bei wenig selektiven Fanggeräten sind Individuenverluste durch Beifang regelmäßig relevant, da auch bei Rückwurf hohe Sterblichkeitsraten erreicht werden können (Deutsche Umwelthilfe 2014).

Stellnetze führen zu Individuenverlusten durch Ertrinken bei tauchenden Seevögeln, insbesondere in Rast-, Mauser- und Überwinterungsgebieten (Sonntag & Garthe 2010, zit. in Salomon & Schumacher 2019, Bellebaum 2011), und Meeressäugern wie dem Schweinswal (OSPAR Commission 2017, zit. in Salomon & Schumacher 2019: 192, Thünen-Institut 2016). Der Individuenverlust kann dabei die ganze Population bedrohen. Beispielsweise sind für die Population des Schweinswals der zentralen Ostsee schon Verluste einzelner Tiere bedrohlich (Hammond et al. 2008, zit. in Salomon & Schumacher 2019: 193).

Verminderung der Schweinswal-Beifänge durch akustische Vergrämer (Pinger) ist nur bedingt zu empfehlen, da die zusätzlichen Beeinträchtigungen in den Schutzgebieten (Scheuchwirkung, Störung durch akustische Reize) ggf. überwiegen (Carlström et al. 2009, zit. in Salomon & Schumacher 2019: 192). Vergrämung durch arteigene Warnrufe liefern teilweise bessere Ergebnisse (Dorrien & Chladek 2018), können Beifänge von Schweinswalen aber nicht vollständig vermeiden und scheinen eventuell an populationsspezifische Warnrufe angepasst werden zu müssen.

Der Einsatz mobiler grundberührender Fanggeräte führt regelmäßig zur Beeinträchtigung am Meeresboden lebender wirbelloser Organismen (u. a. Tötung, Verletzung, Verdriftung) und Fische (Deutsche Umwelthilfe 2014). Dauerhafte Befischung mit Baumkurren und Scherbrett-Grundschleppnetzen führen nachweislich zum Rückgang der Artenvielfalt und zur Veränderung der Artzusammensetzung (Deutsche Umwelthilfe 2014).

Verlorengegangene Netze oder Teile davon verrotten aufgrund der synthetischen Fasern nicht und können zu Individuenverlusten führen, z. B. "ghost fishing" von Kiemennetzen (Barz & Zimmermann o. J.), erhöhte Mortalität von Basstölpeln an Nestern aus alten Netzen (UBA 2017).


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