FFH-VP-Info

Fachinformationssystem des BfN
zur FFH-Verträglichkeitsprüfung

Stand: 10. Juni 2025
Bundesamt für Naturschutz
1060 Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren Relevanz des Wirkfaktors: 2
3-3 Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

o. J.
Seite(n):

Qualifizierung der Quelle:
E
1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum)
Je nach Dauer und Zeitpunkt können Überflutungen / Überstauungen für die Art von Bedeutung sein. Die Toleranz gegenüber Hochwasserereignissen im Winterhalbjahr scheint relativ hoch im Gegensatz zu solchen im Sommer.

Rumex hydrolapathum, R. crispus, R. obtusifolius sind Halblichtpflanzen, Mäßigwärme- bis Wärmezeiger, die sich lediglich hinsichtlich ihrer Feuchte- und Stickstofftoleranz deutlich unterscheiden. Alle drei sind nicht salzertragend (Ellenberg 1992:137). R. hydrolapathum besiedelt als Wechselwasserzeiger die feuchtesten, oft überfluteten Standorte; R. obtusifolius ist dagegen die Art, die die größte Stickstofftoleranz zeigt und sogar als Verschmutzungszeiger eingestuft wird.

Neben Überflutungen / Überstauungen kann die Entwässerung von Standorten indirekt negativ auf die Art wirken. Die Entwässerung von Feuchtwiesen (s. a. Wirkfaktor 2-3) wird von vielen Autoren als Ursache für den Rückgang der Art angegeben.
1060 Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren Relevanz des Wirkfaktors: 2
3-3 Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

1991
Seite(n):

335
Qualifizierung der Quelle:
A
1.02 Schweizerischer Bund für Naturschutz/ Lepidopterologen-Arbeitsgruppe (Hrsg.)
"Überflutung von drei bis vier Wochen Dauer schadet den überwinternden Raupen nicht."

"An natürliche (bzw. naturnahe) Hochwasserereignisse ist der Große Feuerfalter als charakteristische Flußauen-Art gut angepaßt. Zumindest Winter- und Frühjahrshochwässer werden von den Raupen offenbar überstanden [...]" (Hermann 1997:10).
1060 Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren Relevanz des Wirkfaktors: 2
3-3 Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

1995
Seite(n):

153-157
Qualifizierung der Quelle:
A
1.03 Pullin, A. S., McLean, I. F. G. & Webb, M. R.
In England ist L. dispar ausgestorben. Das Verschwinden der Art wird dort v. a. auf die Entwässerung von Feuchtstandorten zurückgeführt: "There is a consensus of opinion that the decline was an inevitable consequence of habitat loss due to widespread drainage of the offenlands [...]. The draining of the complex of meres adjacent to Holme and Woodwalton fens during the 1840s, culminating in the drainage of Whittlesey Mere in 1851 [...], gives some indication of the extensive drainage activity at the time of the butterfly's disappearance [...]."

Hochwasserereignisse im Sommer stellen eine deutliche Gefährdung für L. dispar dar: "An abnormal flood in July of 1968 caused a dramatic decline in the number of eggs in the remaining population. By 1969 only five adults remained and these failed to reproduce. The Woodwalton colony was completely wiped out [...]."
1060 Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren Relevanz des Wirkfaktors: 2
3-3 Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

1991b
Seite(n):

221-222
Qualifizierung der Quelle:
A
1.04 Ebert, G. & Rennwald, E. (Hrsg.)
Die Autoren zitieren einige Mitteilungen, bei denen der Rückgang von L. dispar auf die Entwässerung von Feuchtwiesen zurückgeführt wird. Gleichzeitig wiesen sie aber darauf hin, dass die Art sehr anpassungsfähig ist und die Tatsache, dass auch andere Ampferarten als Rumex hydrolapathum befressen werden, dem Falter eine Überlebenschance sichert.
1060 Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren Relevanz des Wirkfaktors: 2
3-3 Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

2003
Seite(n):

65-72
Qualifizierung der Quelle:
D
1.05 Nicholls, C. N. & Pullin, A. S.
Eine Überflutung des Habitats wirkt sich laut Nicholls & Pullin (2003:65ff.) direkt nach dem 28. Tag dramatisch und unabhängig von der Überflutungsdauer in späteren Entwicklungsstadien in Form von höheren Mortalitätsraten aus.

"Previous work suggests that submergence of Lycaena dispar larvae during overwintering may play a significant role in this butterfly's population dynamics. Since potential re-introduction sites in eastern England are prone to regular seasonal flooding, we further studied the species' submergence tolerance with a view to formulating management protocols conducive to larval survivorship under periodic flood conditions. Simulated flooding regimes using captive-reared larvae showed that enforced submergence has a twofold effect: firstly, a direct increase in mortality after 28 days under water and, secondly, a longer term, post-diapause increase in mortality; manifest either as an inability of larvae to resume feeding, or a failure to complete development. Additionally, there was a marked difference in the response of 'early' and 'late' diapause larvae; the latter generally succumbing after shorter periods under water, and suffering higher total mortalities. Behavioural investigations suggest that, if afforded the opportunity, diapausing larvae can evade submergence by climbing onto the exposed sections of partially flooded host plants. Significantly, survival on partially flooded plants was found to be comparable to that on unflooded controls. Further re- introductions of L. dispar in the U.K. will probably necessitate a direct translocation of wild Dutch stock. As the flood tolerance of this source population remains largely undetermined, and given that re-introduction site hydrology will be generally unamenable to conservation-oriented manipulation, it is recommended. that restoration management be directed towards creating structural diversity in the vegetation of overwintering habitats, thereby providing potential 'flood refugia' for hibernating larvae."
1060 Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren Relevanz des Wirkfaktors: 2
3-3 Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

1998
Seite(n):

96-99
Qualifizierung der Quelle:
D
1.06 Webb, M. R. & Pullin, A. S.
In der früheren Studie von Webb & Pullin (1998) konnten noch keine Auswirkungen einer Überflutung auf L. d. batavius im Gegensatz zu der später durchgeführten Forschungsarbeit von Nicholls & Pullin (2003) festgestellt werden.

"1. The influence of seasonal flooding on wetland insects is understudied, and understanding of a potentially important influence on population dynamics is therefore incomplete. This is of particular consequence because many wetland insect species, including the large copper butterfly, Lycaena dispar batavus, are of conservation interest. 2. Previous studies on the submergence tolerance of diapausing L. d. batavus larvae have been inconclusive. This study investigated the effects of different periods of enforced submergence on overwintering survival, using both fresh and brackish water, and comparing effects on larvae in early and late diapause. 3. Larvae were submerged for up to 84 days, and survival was negatively correlated with submergence period, although periods of up to 28 days did not appear to reduce survival. Water type, i.e. fresh vs. brackish water, and larval stage, i.e. early vs. late diapause, had no significant influence on survival. 4. The relevance of these findings to the population biology and conservation of L. d. batavus is discussed. Further studies on the effects of submergence by seasonal flooding on wetland insect populations are encouraged."
1060 Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren Relevanz des Wirkfaktors: 2
3-3 Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

2007
Seite(n):

188
Qualifizierung der Quelle:
D
1.07 Trampenau, M. & Krahl, M.
Habitatverlust entsteht durch Austrocknung und damit erfolgt auch ein Rückgang der Futterpflanzen.
1060 Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren Relevanz des Wirkfaktors: 2
3-3 Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse
3. Prognosemethoden Jahr:

o. J.
Seite(n):

Qualifizierung der Quelle:
E
3.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum)
I. d. R. erfolgt die Wirkungsbeurteilung durch Überlagerung der vom Projekt entsprechend beeinflussten Flächen mit allen nach den Erhaltungszielen zu bewahrenden bzw. zu entwickelnden (Teil-)Habitaten.

Die betroffenen Habitate bzw. Habitatstrukturen sind hinsichtlich ihrer längerfristigen Entwicklung und der qualitativen Abweichung zu bewerten. Soweit erforderlich, sind unterschiedliche Teilhabitate der Art in der Prognose differenziert zu betrachten. Dabei sind zum einen die absoluten Habitatverluste bzw. -verschlechterungen (m²) sowie die relativen (%) bezogen auf den Gesamtbestand im Gebiet bzw. die funktional zusammengehörenden Habitate der Art zu ermitteln bzw. abzuschätzen.

Darauf aufbauend sind die qualitativen und quantitativen Funktionsverluste für die betroffenen Individuen bzw. (Teil-)Bestände zu beurteilen. Soweit möglich, ist die Prognose durch Vergleich mit standörtlich und strukturell ähnlichen Habitaten bzw. solchen, die bereits entsprechenden Veränderungen unterlagen, abzusichern.

Im Einzelfall können auch Flächen außerhalb des Gebietes zu berücksichtigen sein, sofern die betroffenen (Teil-)Habitate eine wesentliche funktionale Bedeutung für die im Gebiet vorkommenden Bestände der Art aufweisen.

Etwaige kumulative Wirkungen additiver oder synergistischer Art durch andere Wirkfaktoren des Projekts / Plans oder im Zusammenwirken mit anderen Projekten / Plänen sind zu berücksichtigen.

Im Einzelfall können aus Gründen der Prognosesicherheit auch weitergehende Methoden notwendig werden (z. B. Populationsgefährdungsanalysen, s. Rassmus et al. 2003, Lambrecht et al. 2004).
1060 Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren Relevanz des Wirkfaktors: 2
3-3 Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse
4. Relevanzschwelle Jahr:

o. J.
Seite(n):

Qualifizierung der Quelle:
E
4.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum)
Soweit die Art bzw. deren Habitat nach den gebietsspezifischen Erhaltungszielen zu bewahren oder zu entwickeln ist, wird die Relevanzschwelle grundsätzlich bei jeder möglichen negativen Veränderung der hydrologischen bzw. hydrodynamischen Verhältnisse in einem (Teil-)Habitat im Gebiet überschritten.

Im Einzelfall können Veränderungen auch außerhalb des Gebietes relevant sein, sofern die betroffenen (Teil-)Habitate eine wesentliche funktionale Bedeutung für die Bestände der Art im Gebiet aufweisen.
1060 Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren Relevanz des Wirkfaktors: 2
3-3 Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse
5. Erheblichkeitsschwelle Jahr:

o. J.
Seite(n):

Qualifizierung der Quelle:
E
5.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum)
Die Beeinträchtigungsintensität resultiert einerseits aus der artspezifischen Empfindlichkeit und andererseits aus der Intensität und Dimension der Veränderung der hydrologischen bzw. hydrodynamischen Verhältnisse. Konkrete Orientierungs- oder Richtwerte hierfür liegen bislang nicht vor.

Die absolute und die relative Dimension des Habitatverlustes bzw. seiner qualitativen Funktionsminderung sind wesentliche Größen der Beurteilung.

Wichtig für die Erheblichkeitsbeurteilung sind zudem die funktionale Bedeutung der einzelnen betroffenen Flächen / Teilhabitate sowie die zeitliche Dimension der Beeinträchtigung (Zeitpunkt, Häufigkeit und Dauer).

In bestimmten Fällen kann der Konventionsvorschlag für direkten Flächenentzug / -verlust in Habitaten zur Orientierung herangezogen werden (s. Wirkfaktor 1-1). Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die in diesem Ansatz integrierten Orientierungswerte für vollständige / dauerhafte Habitatverluste konzipiert wurden. Für graduelle Funktionsminderungen sind dagegen eigenständige Bewertungsansätze zu entwickeln oder die Funktionsverluste müssten als (ggf. prozentuale) Funktionsminderung bilanziert und dann mit den Orientierungswerten des Konventionsvorschlags ins Verhältnis gesetzt werden (vgl. Beispiel in Lambrecht & Trautner 2007:83).

Bearbeitung und Zitiervorschlag: siehe Impressum von