FFH-VP-Info

Fachinformationssystem des BfN
zur FFH-Verträglichkeitsprüfung

Stand: 12. Januar 2023
Bundesamt für Naturschutz

Wirkfaktoren des Projekttyps

05 Sonstige Verkehrswege / -anlagen >> Geh- und Radweg - Neubau

Bemerkung: Der Projekttyp umfasst die Anlage von Geh- und Radwegen, d. h. Wegen, die von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden. Zu diesem Projekttyp gehören Wege, die neu angelegt werden (straßenbegleitend, solitär). Der Neubau umfasst Wege mit unterschiedlicher Befestigung (z. B. asphaltiert, wassergebundene Decken, Betonpflaster/-platten, ungebundene Schotter- oder Kiesbauweise).

Zu den möglichen anlagebedingten Vorhabensbestandteilen zählen neben dem Geh- und Radweg selbst u. a. Bankette, Dammschüttungen; Auftragsböschungen; Einschnittböschungen; Stützmauern; Brückenbauwerke; Durchlassbauwerke für Gewässer; Entwässerungseinrichtungen: Gräben, Mulden; Markierungen, Sitzgelegenheiten, Rastflächen, Verkehrszeichen.

Zu den möglichen baubedingten Vorhabensbestandteilen zählen u. a. Baustelle bzw. Baufeld, Materiallagerplätze, Maschinenabstellplätze, Baumaschinen und Baubetrieb, Baustellenverkehr und Baustellenbeleuchtung.

Bei den betriebsbedingten Beeinträchtigungen sind v. a. die vom Verkehr bzw. der Nutzung ausgehenden Emissionen (Nähr- und Schadstoffe), Lärm, Licht, optische Störwirkungen sowie Erschütterungen relevant. Außerdem geht von der Nutzung ggf. ein Kollisionsrisiko aus. Auch die regelmäßige Unterhaltung und die aus der Verkehrssicherungspflicht ggf. resultierende Beseitigung von Tot- oder Altholz in den seitlich angrenzenden Bereichen sind zu berücksichtigen (siehe dazu ggf. auch eigenen Projekttyp zu Unterhaltungsmaßnahmen an Straßen).

Für zusätzlich land- oder forstwirtschaftlich genutzte Wege siehe Projekttyp "Wirtschaftswege - Neubau". Für den Ausbau bestehender Geh- und Radwege, die Umwidmung bestehender Wege (z. B. Wirtschaftsweg, Militärweg) und den Umbau bestehender Infrastruktur (z. B. ehemalige Schienenwege) siehe Projekttyp "Geh- und Radwege - Ausbau". Für Mountainbike-Strecken/Trails siehe Projekttyp "Sportparcours ohne Bindung an eine bauliche Anlage". Für Wanderwege siehe Projekttyp "Wanderwege".

Wirkfaktoren
Relevanz
Erläuterungen
1 Direkter Flächenentzug
1-1 Überbauung / Versiegelung2 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) regelmäßig zu Beeinträchtigungen durch Überbauung/Versiegelung von Flächen.

Das Ausmaß der anlagebedingten Versiegelung ist dabei abhängig von der Befestigung des Geh- und Radwegs und seiner Nebenflächen. Bindemittelfreie Befestigungen, wie z. B. Schotterdecken, führen zu einer Teilversiegelung der Oberfläche, während hydraulisch gebundene Decken sowie Pflasterdecken die Durchlässigkeit der Oberfläche bereits sehr stark reduzieren. Ortbeton- und Bitumendecken führen zu einer Bodenvollversiegelung (Otto 2001, zit. in SLfL 2006: 12).

Hinzu kommen baubedingte, meist temporär zur Überbauung/Versiegelung führende, Vorhabensbestandteile wie z. B. Materiallagerplätze und Maschinenabstellplätze.
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen2 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) regelmäßig zu Beeinträchtigungen durch die direkte Veränderung von Vegetations- bzw. Biotopstrukturen.

Beim Neubau von Geh- und Radwegen und ihren Vorhabensbestandteilen wird regelmäßig die Vegetationsdecke vollständig entfernt (Baufeldfreimachung).

Auch Pflanz- oder sonstige landschaftsbauliche Maßnahmen im Sinne einer Neuschaffung (z. B. Grüngestaltung) führen lokal zu einer veränderten Pflanzendecke.

Vorhabensbestandteile, die Gewässer betreffen, sind für die entsprechende Gewässervegetation ebenfalls regelmäßig relevant.

Betriebsbedingte Beeinträchtigungen resultieren v. a. aus den Unterhaltungsmaßnahmen der Wege. Hierzu gehören Vegetationsrückschnitte zur Erreichung des notwendigen Lichtraumprofils (ca. 2,5 m lichte Höhe x 2,3 m lichte Breite, Plan T 2015), die Mahd von Wegrändern, Mahd und Räumung von Entwässerungseinrichtungen und das Abschieben von hochgewachsenen Wegrändern.

Relevant ist auch die betriebsbedingte, gegebenenfalls aus der - im Wald auf die Vermeidung von sog. Megagefahren beschränkte - Verkehrssicherungspflicht (vgl. Landesbetrieb ForstBW 2015) resultierende Beseitigung von Gehölzen (einschl. Tot- oder Altholz) in den seitlich angrenzenden Bereichen.

Bei der Planung der Linienführung ist zu berücksichtigen, dass naturnahe Wege (z. B. mit begleitenden Krautsäumen/Gehölzen) und Wege mit ausreichend breiten Weg-Randstreifen in intensiv genutztem Ackerland biotopvernetzend wirken können (Dierschke 2000, SLfL 2006).
2-2 Verlust / Änderung charakteristischer Dynamik0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
2-3 Intensivierung der land-, forst- oder fischereiwirtschaftlichen Nutzung1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch die Intensivierung der land-, forst- oder fischereiwirtschaftlichen Nutzung.

Die Neuanlage von Geh- und Radwegen kann anlagebedingt zu einer Intensivierung der Nutzung führen, wenn z. B. die Erreichbarkeit von freizeitfischereilich genutzten Gewässern erhöht wird. Ggf. sind Nebenbestimmungen notwendig, um die Gewässernutzung zu beschränken.
2-4 Kurzzeitige Aufgabe habitatprägender Nutzung / Pflege0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
2-5 (Länger) andauernde Aufgabe habitatprägender Nutzung / Pflege0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren
3-1 Veränderung des Bodens bzw. Untergrundes2 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) regelmäßig zu Beeinträchtigungen durch die Veränderung von Bodenverhältnissen im Sinne physikalischer Veränderungen, z. B. von Bodenart/-typ, -substrat oder -gefüge, die durch Abtrag, Auftrag, Vermischung etc. hervorgerufen werden.
3-2 Veränderung der morphologischen Verhältnisse1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch die Veränderung morphologischer Verhältnisse, z. B. in Form von Veränderungen an Relief (Mikro- oder Makrorelief von Lebensräumen), Geländeaufbau oder Gewässermorphologie, die z. B. durch Abtrag, Auftrag, Einebnung etc. hervorgerufen werden.
3-3 Veränderung der hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnisse1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch die Veränderung hydrologischer oder hydrodynamischer Verhältnisse z. B. in Form von Veränderungen an den wasserbezogenen Standortfaktoren wie (Grund-)Wasserstände, Druckverhältnisse, Fließrichtung, Strömungsverhältnisse oder -geschwindigkeit. Dies schließt entsprechende Veränderungen in Oberflächengewässern, im Bodenwasser und im Grundwasser ein.

Insbesondere Geländemodellierungen und Wasserbaumaßnahmen (z. B. Verrohrung, Verlegungen, Uferbau) können zu Veränderungen hydrologischer Verhältnisse führen, die ggf. relevant sind.
3-4 Veränderung der hydrochemischen Verhältnisse (Beschaffenheit)0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
3-5 Veränderung der Temperaturverhältnisse1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch die Veränderung der Temperaturverhältnisse.

Mögliche Temperaturveränderungen (z. B. durch Freistellung, Beschattung, Einleitung erwärmten Oberflächenwassers) können insbesondere bei Gewässern relevant sein.
3-6 Veränderung anderer standort-, vor allem klimarelevanter Faktoren0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
4 Barriere- oder Fallenwirkung / Individuenverlust
4-1 Baubedingte Barriere- oder Fallenwirkung / Mortalität1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch baubedingte Barriere- oder Fallenwirkung oder Individuenverlust.

Baubedingte Individuenverluste bei Tier- und Pflanzenarten treten beim Neubau von Geh- und Radwegen hauptsächlich im Zuge der Baufeldfreimachung bzw. -räumung (Vegetationsbeseitigung, Baumfällungen, Bodenabtrag etc.) auf.

Baubedingte Barriere- oder Fallenwirkungen bzw. Individuenverluste können im Einzelfall durch den Baustellenbetrieb (z. B. Baustellenverkehr, offene Schächte, Kanäle, Gruben mit Fallenwirkung für bodengebundene Arten) entstehen.

Zusätzlich können andere Faktoren (s. unter Wirkfaktorgruppe 5) zur Meidung bestimmter Bereiche führen und somit eine Barrierewirkung verstärken.
4-2 Anlagebedingte Barriere- oder Fallenwirkung / Mortalität2 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) regelmäßig zu Beeinträchtigungen durch anlagebedingte Barriere- oder Fallenwirkung oder Individuenverlust.

Geh- und Radwege können, abhängig von ihrer Bauweise, als Wärme-, Kälte- und Beutefalle für am Boden lebende Kleintiere wirken (GfL 2000).

Eine anlagebedingte Barrierewirkung kann durch die veränderten standörtlichen, mikroklimatischen oder strukturellen Bedingungen, z. B. solare Aufheizung, relative Offenheit, Strukturfreiheit und dem Verlust von Offenlandstrukturen ("Kulissenflüchter", vgl. Wirkfaktor 5-2), hervorgerufen werden.

Barrieren können auch bei der Querung von Gewässern (z. B. Verrohrung) entstehen.
4-3 Betriebsbedingte Barriere- oder Fallenwirkung / Mortalität1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch betriebsbedingte Barriere- oder Fallenwirkung oder Individuenverlust.

Die Tötung von Tieren ist i. d. R. auf eine Kollision mit Fahrrädern zurückzuführen (v. a. Amphibien, Reptilien, Gliederfüßler und Weichtiere). Individuenverluste steigen mit Geschwindigkeit der Radfahrer und zunehmender Frequentierung (GfL 2000, PlanT 2015). Im Einzelfall kann auch die Unterhaltung der Geh- und Radwege (z. B. Böschungspflege, Baumschnitt) eine Rolle spielen.

Eine betriebsbedingte Barrierewirkung kann einerseits durch eine erhöhte Mortalitätsrate, andererseits aber auch durch zusätzliche Störwirkungen entstehen (s. unter Wirkfaktorgruppe 5), die zur Meidung des Geh- und Radwegs bzw. der angrenzenden Bereiche führen.
5 Nichtstoffliche Einwirkungen
5-1 Akustische Reize (Schall)1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch betriebsbedingte Barriere- oder Fallenwirkung oder Individuenverlust.

Beim Bau von Geh- und Radwegen treten akustische Reize (Schall) regelmäßig durch den Baustellenbetrieb auf, die ggf. relevant sind.

Betriebsbedingt treten bei allen Geh- und Radwegen akustische Reize z. B. durch Fußgänger, Radfahrer und mitgeführte Hunde auf. Die Unterhaltung und Grünflächenpflege (z. B. Mahd der Weg-Randstreifen) verursachen ebenfalls temporäre Lärmbelastungen. Diese akustischen Reize sind für lärmempfindliche Arten ggf. relevant.

Akustische und optische Störwirkung sind dabei häufig nicht klar voneinander abgrenzbar (vgl. auch Wirkfaktor 5-2).
5-2 Optische Reizauslöser / Bewegung (ohne Licht)2 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) regelmäßig zu Beeinträchtigungen durch optische Reize (Sichtbarkeit, ohne Licht).

Beim Bau von Geh- und Radwegen treten optische Reizauslöser regelmäßig durch den Baustellenbetrieb auf, die ggf. relevant sind.

Betriebsbedingt treten bei Geh- und Radwegen optische Reize z. B. durch Fußgänger, Radfahrer und mitgeführte Hunde auf, die stärker als die Störwirkung von Fahrzeugen sein können (Garniel et al. 2010: 13). Bei störungssensiblen Arten mit hohen Flucht- und Stördistanzen (vgl. z. B. Gassner et al. 2010) führt dies zu Flucht- und Ausweichverhalten. Besonders problematisch sind hierbei freilaufende Hunde und Nutzer, die die Wege verlassen.

Ggf. sind Nebenbestimmungen notwendig (z. B. Betretungsverbot der umliegenden Flächen zur Brutzeit).
5-3 Licht1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch Licht.

Licht kann beim Bau von Geh- und Radwegen ggf. als relevanter Wirkfaktor auftreten (v. a. Fahrzeug-/Baustellenbeleuchtung). Des Weiteren ist eine etwaige Beleuchtung der Wege während der Nachtzeiten zu betrachten.
5-4 Erschütterungen / Vibrationen1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch Erschütterungen/Vibrationen.

Erschütterungen/Vibrationen können beim Bau von Geh- und Radwegen temporär auftreten, wenn schwere Maschinen oder spezielle Verfahren eingesetzt werden (bspw. Sprengungen, Verdichtung durch Vibrationswalzen).
5-5 Mechanische Einwirkung (Wellenschlag, Tritt)2 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) regelmäßig zu Beeinträchtigungen durch mechanische Einwirkung.

Baubedingte mechanische Einwirkungen auf Böden, Bodenfauna und Vegetation durch Trittbelastung resultieren v. a. aus dem Baubetrieb (Befahren mit schweren Fahrzeugen oder regelmäßiges Betreten durch Arbeiter).

Im Umfeld von Geh- und Radwegen ist betriebsbedingt mit mechanischen Einwirkungen in Form von Tritt zu rechnen. Dies kann zur Förderung tritttoleranter Arten und Vegetationsverlust führen. Ggf. werden Wege an attraktiven Punkten (z. B. Aussichtspunkte) mit längerer Verweildauer verlassen, wenn die Kapazität der Rastflächen nicht ausreicht.
6 Stoffliche Einwirkungen
6-1 Stickstoff- u. Phosphatverbindungen / Nährstoffeintrag1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch Stickstoff- u. Phosphatverbindungen/Nährstoffeintrag.

Im Umfeld von Geh- und Radwegen und besonders Rastflächen ist mit Nährstoffeintrag durch die Nutzer zu rechnen. Auf stark frequentierten Wegen ist mit der Verschärfung der Beeinträchtigung zu rechen, die ggf. den Bau von Sanitäranlagen notwendig macht.
6-2 Organische Verbindungen0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
6-3 Schwermetalle0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
6-4 Sonstige durch Verbrennungs- u. Produktionsprozesse entstehende Schadstoffe0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
6-5 Salz1 Sofern im Rahmen des Winterdienstes nicht kategorisch auf den Einsatz von Salz verzichtet werden kann, können Immissionen durch Streusalz oder Salzsohle betriebsbedingt auftreten. Das Salz wird hierbei durch Altschnee, Spritzwasser, Sprühnebel, Stäube, Oberflächen- und Sicker-/Grundwasser in die Umgebung eingetragen (Brod 1993).
6-6 Depositionen mit strukturellen Auswirkungen (Staub / Schwebst. u. Sedimente)1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch Deposition mit strukturellen Auswirkungen.

Baubedingt (z. B. Kies-/Schotterausbringung, Steinfräsung, Baustellenverkehr) kann es zu temporären Staubemissionen kommen, die ggf. relevant sind.

Bei Bauarbeiten an Gewässern kann es zudem zu Schwebstoff- bzw. Schlammeinträgen, zur Sedimentverwirbelung durch Baggerarbeiten, zu Veränderungen der Sohlbewegung, des Schwebstoff- und des Geschiebetransportes oder Sedimentationsprozessen kommen.

Anlage- und betriebsbedingte Wassererosion der Wege kann zur Beeinträchtigung von Gewässern durch Sediment-/Schwebstoffeintrag führen. Dies tritt vor allem in Gebieten mit stärkerem Relief, bei ungebundener Schotter- oder Kiesbauweise, teils auch bei wassergebundenen Decken, und insbesondere bei in Gefällerichtung angelegten Wegen auf (Landesamt für Flurneuordnung Baden-Württemberg 2008).
6-7 Olfaktorische Reize (Duftstoffe, auch: Anlockung)0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
6-8 Endokrin wirkende Stoffe0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
6-9 Sonstige Stoffe1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt ggf. zu Beeinträchtigungen durch den Eintrag von sonstigen Stoffen.

Beim Bau von Geh- und Radwegen aus Recycling-Material (z. B. Bauschutt), belastetem Material oder gebietsfremden Material ist eine Beeinträchtigung sensibler Arten/Lebensraumtypen möglich, beispielsweise durch die Veränderung des pH-Wertes.

Im Umfeld von Geh- und Radwegen werden von den Nutzern ggf. Abfälle zurückgelassen. Problematisch sind insbesondere Rastflächen und Orte mit längerer Verweildauer und/oder hoher Frequentierung (z. B. Aussichtspunkte, Badestellen) (RMA et al. 2017). Ggf. sind Nebenbestimmungen zur Abfallentsorgung notwendig.
7 Strahlung
7-1 Nichtionisierende Strahlung / Elektromagnetische Felder0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
7-2 Ionisierende / Radioaktive Strahlung0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
8 Gezielte Beeinflussung von Arten und Organismen
8-1 Management gebietsheimischer Arten0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
8-2 Förderung / Ausbreitung gebietsfremder Arten1 Der Neubau von Geh- und Radwegen führt aufgrund verschiedener möglicher Vorhabensbestandteile (s. Bemerkung) ggf. zu Beeinträchtigungen durch die Förderung/Ausbreitung gebietsfremder Arten.

Aufgrund ihrer linearen Ausprägung können Geh- und Radwege die Ausbreitung gebietsfremder Arten ggf. fördern.
8-3 Bekämpfung von Organismen (Pestizide u.a.)0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
8-4 Freisetzung gentechnisch neuer bzw. veränderter Organismen0 Hinweise auf eine Relevanz dieses Wirkfaktors liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.
9 Sonstiges
9-1 Sonstiges0 Hinweise auf eine Relevanz sonstiger Wirkfaktoren liegen nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand nicht vor.

Leitfäden / Literatur zu diesem Projekttyp

Brod, H.-G. (1993): Langzeitwirkung von Streusalz auf die Umwelt. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Reihe V. Verkehrstechnik V 2, 165 S.

Dierschke, H. (2000): Kleinbiotope in botanischer Sicht - ihre heutige Bedeutung für die Biodiversität von Agrarlandschaften. Pflanzenbauwissenschaften 4 (1): 52-62.

Garniel, A., Mierwald, U. & Ojowski, U. (2010): Arbeitshilfe Vögel und Straßenverkehr. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (Hrsg.), Bonn, 115 S.

Gassner, E., Winkelbrandt, A. & Bernotat, D. (2010): UVP und strategische Umweltprüfung - Rechtliche und fachliche Anleitung für die Umweltprüfung. 5. Auflage, C. F. Müller Verlag Heidelberg, 480 S.

GfL Planungs? und Ingenieurgesellschaft GmbH (2000): Radwege in der freien Landschaft. Art der Befestigung. Eine Analyse aus landespflegerischer Sicht. Landesamt für Straßen? und Verkehrswesen Rheinland?Pfalz, 24 S.

Lambrecht, H., Trautner, J., Kaule, G. & Gassner, E. (2004): Ermittlung von erheblichen Beeinträchtigungen im Rahmen der FFH-Verträglichkeitsuntersuchung. Endbericht. FuE-Vorhaben im Rahmen des Umweltforschungsplanes des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz - FKZ 80182130 -, 316 S.

Landesamt für Flurneuordnung Baden-Württemberg (2008): Naturnaher Wegebau im ländlichen Raum (Infobroschüre). Regierungspräsidium Stuttgart, Kornwestheim, 4 S.

Landesbetrieb ForstBW (2015): Leitfaden zur Verkehrssicherungspflicht. 25 S.

Otto, R. (2001): Berücksichtigung von Eingriffsregelungen in der räumlichen Agrarplanung im südlichenTeil Sachsen-Anhalts. Landnutzung und Landentwicklung, Heft 3/2001.

Planungsgruppe Landschaft und Umwelt (PlanT) (2015): Gutachten zur allgemeinen Bewertung der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung bei der Umnutzung stillgelegter oder entwidmeter Bahntrassen zu Rad- und Wanderwegen. Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (Hrsg.), Dresden, 161 S.

Ressourcen Management Agentur (RMA), Österreichischer Alpenverein (ÖAV), ÖAV Sektion Edelweiss Wien, [science:talk] Institut für Verkehrssystemplanung (2017): Projekt Alpen Littering - Entwicklung einer regional replizierbaren Strategie zur Vermeidung von Littering in den alpinen Regionen Österreichs (Gesamtbericht) (Vers. 1.0). 224 S.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft (SLfL) (Hrsg.) (2006): Landwirtschaftlicher Wegebau. Schriftenreihe, Heft 6/2006.

Relevanz des Wirkfaktors

0 (i. d. R.) nicht relevant
1gegebenenfalls relevant
2regelmäßig relevant

Bearbeitung und Zitiervorschlag: siehe Impressum von