FFH-VP-Info

Fachinformationssystem des BfN
zur FFH-Verträglichkeitsprüfung

Stand: 12. Januar 2023
Bundesamt für Naturschutz
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

o. J.
Seite(n):

Qualifizierung der Quelle:
E
1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum)
Die Beseitigung oder Veränderung der für den artspezifischen Brutvogellebensraum typischen Vegetations- oder Biotopstrukturen kann in Abhängigkeit von der Eingriffsdimension zu einer Minderung der Habitatqualität und -funktionen für die Art führen.

In bestehenden Habitaten kann auch die Neuschaffung von Strukturen - sofern sie den Ansprüchen der Art entgegenstehen oder nicht entsprechen - zu einer Beeinträchtigung der Habitatqualität führen.

Direkte Veränderungen von Vegetations- bzw. Biotopstrukturen erlangen insbesondere dann besondere Relevanz, wenn sie die Brutplätze bzw. -reviere oder deren direktes Umfeld bzw. Hauptnahrungshabitate betreffen.

Konsequenzen können - abhängig vom Umfang - z. B. Verlust von Teilhabitaten, Verringerung des Bruterfolgs bzw. der Überlebenswahrscheinlichkeit von Individuen, Brutpaarverlust, Bestandsrückgang oder Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-) Populationen sein.
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

o. J.
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Qualifizierung der Quelle:
E
1.02 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum)
Hauptnahrungshabitate der Wiesenweihe in der Hammeniederung waren bis in die 1980er Jahre die nach Abtorfung großflächig ausgeprägten Sukzessionsstadien offener Moorheiden und Pfeifengrasbestände. Im Zuge der weiteren Sukzession zu zunehmend geschlossenen Moorbirkenwäldern wurden die Brutplätze in der Hammeniederung aufgegeben.
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

o. J.
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E
1.03 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum)
Wie in der Hammeniederung sind Bruthabitate und Hauptnahrungsreviere z. T. weit entfernt oder sogar durch nicht von der Wiesenweihe nutzbare Lebensraumtypen getrennt. Clemens & Risch (1993:43ff.) konnten Nahrungsflüge der Männchen bis in 12,2 km (mittlere max. Jagdentfernung von 23 Paaren = 5,4 km) Entfernung nachweisen. Die mittlere max. Jagdentfernung der Weibchen lag mit 2,5 km deutlich kürzer (max. 6 km). Mit zunehmender Fragmentierung und Vergrößerung der Raumnutzung verringert sich die Futtermenge und damit der Bruterfolg. Ähnliche Verhältnisse stellen sich in Küstenlebensräumen dar. Hier liegen die als Hauptnahrungshabitate genutzten Festland-Salzwiesen durch intensiv genutzte Grünlandareale getrennt von den Bruthabitaten in der binnendeichs gelegenen Ackermarsch.
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

2002
Seite(n):

171
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A
1.04 Kitowski, I.
Das Entfernen kleiner Strukturen aus der Landschaft wie Einzelbäume, Sträucher, Gräben und Gewässer lässt Habitate für Wiesenweihen verschwinden. Der vermehrte Anbau von Raps und hoch wachsendem Getreide schränkt den Jagderfolg der Wiesenweihe ein.
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

2002
Seite(n):

121ff.
Qualifizierung der Quelle:
A
1.05 Arroyo, B. , Garcia, J. T. & Bretagnolle, V.
Trotz des Lebensraumwechsels von Grasländern zu Getreidefeldern hängt der Bruterfolg der Wiesenweihen v. a. vom Nahrungsangebot in naturbelassenen Biotopen ab. Eine Verringerung der Biodiversität in landwirtschaftlichen Nutzungsräumen hat somit Einfluss auf die Bestandsentwicklung der Art in Ackerkomplexen.
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
1. Empfindlichkeiten/Wirkungen Jahr:

2001
Seite(n):

294
Qualifizierung der Quelle:
A
1.06 Butet, A. & Leroux, A. B. A.
Wiesenweihenpopulationen in Westfrankreich sind abhängig von der Dichte der Wühlmaus als Hauptbeutetier. Die Analyse der Populationsentwicklung von Wühlmäusen in der Charente-Niederung zeigte, dass Fragmentierung und Rückgang des Dauergrünlandes von 55 % auf weniger als 30 % innerhalb von 30 Jahren starken Einfluss auf die Dichte der Nagetiere und damit auf die Nahrungsressourcen der Wiesenweihe hatte.
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
3. Prognosemethoden Jahr:

o. J.
Seite(n):

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E
3.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum)
I. d. R. erfolgt die Wirkungsbeurteilung durch Überlagerung der vom Projekt entsprechend beeinflussten Flächen mit allen nach den Erhaltungszielen zu bewahrenden bzw. zu entwickelnden (Teil-)Habitaten.

Die betroffenen Habitate bzw. Habitatstrukturen sind hinsichtlich ihrer längerfristigen Entwicklung und der qualitativen Abweichung zu bewerten. Soweit erforderlich, sind unterschiedliche Teilhabitate der Art in der Prognose differenziert zu betrachten. Dabei sind zum einen die absoluten Habitatverluste bzw. -verschlechterungen (qm/ha) sowie die relativen (%) bezogen auf den Gesamtbestand im Gebiet bzw. die funktional zusammengehörenden Habitate der Art zu ermitteln bzw. abzuschätzen.

Darauf aufbauend sind die qualitativen und quantitativen Funktionsverluste für die betroffenen Individuen bzw. (Teil-)Bestände zu beurteilen. Soweit möglich, ist die Prognose durch Vergleich mit standörtlich und strukturell ähnlichen Habitaten bzw. solchen, die bereits entsprechenden Veränderungen unterlagen, abzusichern.

Im Einzelfall können auch Flächen außerhalb des Gebietes zu berücksichtigen sein, sofern die betroffenen (Teil-)Habitate eine wesentliche funktionale Bedeutung für die im Gebiet vorkommenden Bestände der Art aufweisen.

Etwaige kumulative Wirkungen additiver oder synergistischer Art durch andere Wirkfaktoren des Projekts/Plans oder im Zusammenwirken mit anderen Projekten/Plänen sind zu berücksichtigen.

Im Einzelfall können aus Gründen der Prognosesicherheit auch weitergehende Methoden notwendig werden (z. B. Populationsgefährdungsanalysen, s. Rassmus et al. 2003, Lambrecht et al. 2004).
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
4. Relevanzschwelle Jahr:

o. J.
Seite(n):

Qualifizierung der Quelle:
E
4.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum)
Soweit die Bestände der Art bzw. ihre Habitate nach den gebietsspezifischen Erhaltungszielen zu bewahren oder zu entwickeln sind, wird die Relevanzschwelle grundsätzlich bei jeder negativen Veränderung von Vegetations-/Biotopstrukturen eines (Teil-)Habitats im Gebiet überschritten.

Im Einzelfall können Veränderungen auch außerhalb des Gebietes relevant sein, sofern die betroffenen (Teil-)Habitate eine wesentliche funktionale Bedeutung für die Bestände der Art im Gebiet aufweisen.
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
5. Erheblichkeitsschwelle Jahr:

o. J.
Seite(n):

Qualifizierung der Quelle:
E
5.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum)
Die Beeinträchtigungsintensität resultiert einerseits aus der artspezifischen Empfindlichkeit und andererseits aus der Intensität und Dimension der Veränderung der Vegetations-/ Biotopstrukturen.

Die absolute und die relative Dimension des Habitatverlustes bzw. seiner qualitativen Funktionsminderung sind wesentliche Größen der Beurteilung.

Wichtig für die Erheblichkeitsbeurteilung sind zudem die funktionale Bedeutung der einzelnen betroffenen Flächen/Teilhabitate sowie die zeitliche Dimension der Beeinträchtigung (Zeitpunkt, Häufigkeit und Dauer).

In bestimmten Fällen kann der Konventionsvorschlag für direkten Flächenentzug / -verlust in Habitaten zur Orientierung herangezogen werden (s. Wirkfaktor 1-1). Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die in diesem Ansatz integrierten Orientierungswerte für vollständige bzw. dauerhafte Habitatverluste konzipiert wurden. Für Funktionsminderungen sind dagegen eigenständige Bewertungsansätze zu entwickeln oder die Funktionsverluste müssten als (ggf. prozentuale) Funktionsminderung bilanziert und dann mit den Orientierungswerten des Konventionsvorschlags ins Verhältnis gesetzt werden (vgl. Beispiel in Lambrecht & Trautner 2007: 83).

In der Regel ist eine mehrjährige bzw. dauerhafte Beseitigung und Veränderung der Vegetations- und Biotopstrukturen der betroffenen Bruthabitate einem dauerhaften Habitatverlust gleichzusetzen. Einjährig (Brut-/Rastzyklus) begrenzte Auswirkungen können unterhalb der Erheblichkeitsschwelle bleiben, wenn sich die betroffenen Vegetations- und Biotopstrukturen kurzfristig regenerieren können bzw. wiederherzustellen sind sowie die funktionsbezogene Flächendimension orientiert am Konventionsvorschlag als gering eingeschätzt wird.
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
5. Erheblichkeitsschwelle Jahr:

2006
Seite(n):

41
Qualifizierung der Quelle:
A
5.02 Staatliche Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg
Das Entfernen von Graswegen und Saumstreifen in Ackerbaugebieten kann für brutvorkommen der Wiesenweihe eine erhebliche Beeinträchtigung darstellen.
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
5. Erheblichkeitsschwelle Jahr:

2006
Seite(n):

41
Qualifizierung der Quelle:
A
5.03 Staatliche Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg
Aufforstung von Niedermooren stellen erhebliche Beeinträchtigungen dar.
A 084 Wiesenweihe (Circus pygargus)
2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung Relevanz des Wirkfaktors: 3
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
5. Erheblichkeitsschwelle Jahr:

2008
Seite(n):

90ff.
Qualifizierung der Quelle:
A
5.04 Cormier, J. P., Fustec, J., Pithon, J. & Choisy, P.
Wiesenweihen meiden Aufforstungen und Überalterungen von Heiden. Dieser halbnatürliche Lebensraum wird solange von der Wiesenweihe besiedelt, wie der Waldanteil weniger als 25 % umfasst, die Baumschicht nicht über 1,87 m reicht und die Strauchschicht mehr als 75 % der Fläche des Brutlebensraumes einnimmt.

Bearbeitung und Zitiervorschlag: siehe Impressum von