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Fachinformationssystem des BfN zur
FFH-Verträglichkeitsprüfung
Stand: 10. Juni 2025 |
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| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
3 |
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
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Jahr:
o. J. |
Seite(n):
|
Qualifizierung
der Quelle:
E |
| 1.01 |
BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) |
Die Beseitigung oder Veränderung der für den artspezifischen Brutvogellebensraum typischen Vegetations- oder Biotopstrukturen kann in Abhängigkeit von der Eingriffsdimension zu einer Minderung der Habitatqualität und -funktionen für die Art führen.
In bestehenden Habitaten kann auch die Neuschaffung von Strukturen - sofern sie den Ansprüchen der Art entgegenstehen oder nicht entsprechen - zu einer Beeinträchtigung der Habitatqualität führen.
Direkte Veränderungen von Vegetations- bzw. Biotopstrukturen erlangen insbesondere dann besondere Relevanz, wenn sie die Brutplätze bzw. -reviere oder deren direktes Umfeld bzw. Hauptnahrungshabitate betreffen.
Konsequenzen können - abhängig vom Umfang - z. B. Verlust von Teilhabitaten, Verringerung des Bruterfolgs bzw. der Überlebenswahrscheinlichkeit von Individuen, Brutpaarverlust, Bestandsrückgang oder Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-) Populationen sein.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
3 |
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
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Jahr:
2007 |
Seite(n):
212
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Qualifizierung
der Quelle:
A |
| 1.02 |
Blew, J., Günther, K., Laursen, K., Roomen, M. van, Südbeck, P., Eskildsen, K. & Potel, P. |
"Besiedelt werden ausschließlich mehr oder weniger senkrechte, in der Regel über ein Meter hohe, sandig-lehmige Erdabbrüche pleistozäner und holozäner Ablagerungen (Flade 1997). Die hierin angelegten Bruthöhlen wurden ursprünglich in Prallhänge von Fließgewässern gebaut, inzwischen werden vor allem aber die im Binnenland häufigeren Sand- und Kiesgruben besiedelt (Bauer & Berthold 1997)." - (vgl. Sackl & Ilzer 1997, Heneberg 2007).
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
3 |
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
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Jahr:
2002a |
Seite(n):
168
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Qualifizierung
der Quelle:
A |
| 1.03 |
Boschert, M. |
Uferschwalben benötigen für ihre Brutkolonie Steilwände mit Möglichkeiten zum freien Anflug. Dicht bewachsene Standorte werden daher gemieden.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
3 |
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
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Jahr:
2007 |
Seite(n):
301
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Qualifizierung
der Quelle:
A |
| 1.04 |
Heneberg, P. |
"But it seems that breeding of sand martins is less dependent on the presence of water than presumed before."
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
3 |
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
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Jahr:
2007 |
Seite(n):
299
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Qualifizierung
der Quelle:
A |
| 1.05 |
Heneberg, P. |
"During the research period 1992-2005, significant increase of the sand martin colony size was found. Current colony size around 300 holes per colony causes an extreme vulnerability to any disturbances including effects of weather and damages caused by man. I assume that the most important factor inducing this trend is the rapid change of sand excavation methods. Since the end of communism in the Czech Republic, there were opened many large sandpits with extensive and intensive sand excavation activites. On the contrary, small sandpits (common in previous times) were usually returned to their prior owners, who usually did not continue in quarrying activities."
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
3 |
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
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Jahr:
2017 |
Seite(n):
161ff.
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Qualifizierung
der Quelle:
A |
| 1.06 |
Dierschke, V. |
In Niedersachsen und Bremen brütete 2015 fast der gesamte Bestand in Sand- und Kiesgruben oder anderen Bodenabbaugebieten. Nur 0,8 % des Landesbestands entfielen auf natürliche Abbruchkanten, was auf die Begradigung und Befestigung fast aller Flüsse zurückzuführen ist.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
3 |
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
|
Jahr:
2018 |
Seite(n):
75ff.
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Qualifizierung
der Quelle:
A |
| 1.07 |
Stübing, S., Gelpke, C., Heimer, W., Korn, M., Kreuziger, J., Schütze, N. & Werner, M. |
Die starke Abnahme des Brutbestands der Uferschwalbe in Hessen von 2.500-3.500 Brutpaaren im Jahr 1997 auf 1.000-1.600 Brutpaare im Jahr 2018 wird u. a. auf die rückläufige Anzahl geeigneter Sand- und Kiesgruben zurückgeführt.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
3 |
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
|
Jahr:
2021 |
Seite(n):
40f.
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Qualifizierung
der Quelle:
A |
| 1.08 |
Erzinger, S., Fürst, J. & Schuck, M. |
In der Schweiz hat der Brutbestand der Uferschwalbe, die seit 1965 fast ausschließlich in Kiesgruben brütet, zwischen 1996 bis 2016 um rund die Hälfe abgenommen, ebenfalls sank die Größe der verbliebenen Kolonien um durchschnittlich 20 %. Dies wird auf den beschleunigten Abbau und Auffüllung der Gruben (geeignete Brutwände bleiben nicht lange genug stehen, um eine Brutsaison abzuschließen) sowie die Tendenz zur Anlage weniger, dafür größerer Gruben zurückgeführt.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
3 |
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
| 3. Prognosemethoden
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Jahr:
o. J. |
Seite(n):
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Qualifizierung
der Quelle:
E |
| 3.01 |
BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) |
I. d. R. erfolgt die Wirkungsbeurteilung durch Überlagerung der vom Projekt entsprechend beeinflussten Flächen mit allen nach den Erhaltungszielen zu bewahrenden bzw. zu entwickelnden (Teil-)Habitaten.
Die betroffenen Habitate bzw. Habitatstrukturen sind hinsichtlich ihrer längerfristigen Entwicklung und der qualitativen Abweichung zu bewerten. Soweit erforderlich, sind unterschiedliche Teilhabitate der Art in der Prognose differenziert zu betrachten. Dabei sind zum einen die absoluten Habitatverluste bzw. -verschlechterungen (qm/ha) sowie die relativen (%) bezogen auf den Gesamtbestand im Gebiet bzw. die funktional zusammengehörenden Habitate der Art zu ermitteln bzw. abzuschätzen.
Darauf aufbauend sind die qualitativen und quantitativen Funktionsverluste für die betroffenen Individuen bzw. (Teil-)Bestände zu beurteilen. Soweit möglich, ist die Prognose durch Vergleich mit standörtlich und strukturell ähnlichen Habitaten bzw. solchen, die bereits entsprechenden Veränderungen unterlagen, abzusichern.
Im Einzelfall können auch Flächen außerhalb des Gebietes zu berücksichtigen sein, sofern die betroffenen (Teil-)Habitate eine wesentliche funktionale Bedeutung für die im Gebiet vorkommenden Bestände der Art aufweisen.
Etwaige kumulative Wirkungen additiver oder synergistischer Art durch andere Wirkfaktoren des Projekts/Plans oder im Zusammenwirken mit anderen Projekten/Plänen sind zu berücksichtigen.
Im Einzelfall können aus Gründen der Prognosesicherheit auch weitergehende Methoden notwendig werden (z. B. Populationsgefährdungsanalysen, s. Rassmus et al. 2003, Lambrecht et al. 2004).
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
3 |
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
| 4. Relevanzschwelle
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Jahr:
o. J. |
Seite(n):
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Qualifizierung
der Quelle:
E |
| 4.01 |
BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) |
Soweit die Bestände der Art bzw. ihre Habitate nach den gebietsspezifischen Erhaltungszielen zu bewahren oder zu entwickeln sind, wird die Relevanzschwelle grundsätzlich bei jeder negativen Veränderung von Vegetations-/Biotopstrukturen eines (Teil-)Habitats im Gebiet überschritten.
Im Einzelfall können Veränderungen auch außerhalb des Gebietes relevant sein, sofern die betroffenen (Teil-)Habitate eine wesentliche funktionale Bedeutung für die Bestände der Art im Gebiet aufweisen.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
3 |
2-1 Direkte Veränderung von Vegetations- / Biotopstrukturen
| 5. Erheblichkeitsschwelle
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Jahr:
o. J. |
Seite(n):
|
Qualifizierung
der Quelle:
E |
| 5.01 |
BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) |
Die Beeinträchtigungsintensität resultiert einerseits aus der artspezifischen Empfindlichkeit und andererseits aus der Intensität und Dimension der Veränderung der Vegetations-/ Biotopstrukturen.
Die absolute und die relative Dimension des Habitatverlustes bzw. seiner qualitativen Funktionsminderung sind wesentliche Größen der Beurteilung.
Wichtig für die Erheblichkeitsbeurteilung sind zudem die funktionale Bedeutung der einzelnen betroffenen Flächen/Teilhabitate sowie die zeitliche Dimension der Beeinträchtigung (Zeitpunkt, Häufigkeit und Dauer).
In bestimmten Fällen kann der Konventionsvorschlag für direkten Flächenentzug / -verlust in Habitaten zur Orientierung herangezogen werden (s. Wirkfaktor 1-1). Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die in diesem Ansatz integrierten Orientierungswerte für vollständige bzw. dauerhafte Habitatverluste konzipiert wurden. Für Funktionsminderungen sind dagegen eigenständige Bewertungsansätze zu entwickeln oder die Funktionsverluste müssten als (ggf. prozentuale) Funktionsminderung bilanziert und dann mit den Orientierungswerten des Konventionsvorschlags ins Verhältnis gesetzt werden (vgl. Beispiel in Lambrecht & Trautner 2007: 83).
In der Regel ist eine mehrjährige bzw. dauerhafte Beseitigung und Veränderung der Vegetations- und Biotopstrukturen der betroffenen Bruthabitate einem dauerhaften Habitatverlust gleichzusetzen. Einjährig (Brut-/Rastzyklus) begrenzte Auswirkungen können unterhalb der Erheblichkeitsschwelle bleiben, wenn sich die betroffenen Vegetations- und Biotopstrukturen kurzfristig regenerieren können bzw. wiederherzustellen sind sowie die funktionsbezogene Flächendimension orientiert am Konventionsvorschlag als gering eingeschätzt wird.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
1 |
2-2 Verlust / Änderung charakteristischer Dynamik
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
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Jahr:
o. J. |
Seite(n):
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Qualifizierung
der Quelle:
E |
| 1.01 |
BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) |
In Mitteleuropa sind heute dynamische Prozesse (z. B. Sukzessionsdynamik, Nutzungsdynamik) im Rahmen von land-, wasser- oder forstwirtschaftlichen Nutzungen (oder auch in Abbaugebieten und auf Truppenübungsplätzen) anthropogen oder ganz überwiegend anthropogen beeinflusst (s. 'Vertiefende Ausführungen' unter 'Wirkfaktoren'; s. a. Wirkfaktoren 2-3 und 2-5). Wenn die charakteristische Dynamik auf hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnissen beruht (z. B. bei aquatischen und semiaquatischen Lebensräume z. B. der Fließgewässer oder Küsten), wird sie i. d. R. unter Wirkfaktor 3-3 dargestellt.
Die Veränderung bzw. Reduzierung der habitattypischen Dynamik kann für auf diesen Lebensraum spezialisierte Arten zu einer Minderung der Habitatqualität und -funktionen führen.
Konsequenzen können - abhängig vom Umfang - z. B. Verlust von Teilhabitaten, Verringerung des Bruterfolgs bzw. der Überlebenswahrscheinlichkeit von Individuen, Brutpaarverlust, Bestandsrückgang oder Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-) Populationen sein.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
1 |
2-2 Verlust / Änderung charakteristischer Dynamik
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
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Jahr:
o. J. |
Seite(n):
|
Qualifizierung
der Quelle:
E |
| 1.02 |
BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) |
Empfindlichkeiten ergeben sich für die Art v. a. durch Veränderungen bzw. Einschränkungen hydrodynamischer Verhältnisse (s. Wirkfaktor 3-3), aber auch durch Sukzessions- und Nutzungsdynamik, die unter den Wirkfaktoren 2-3 bis 2-5 beschrieben und zusammengefasst werden.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
0 |
2-3 Intensivierung der land-, forst- oder fischereiwirtschaftlichen Nutzung
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
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Jahr:
o. J. |
Seite(n):
|
Qualifizierung
der Quelle:
E |
| 1.01 |
BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) |
Die Art ist schwerpunktmäßig in ungenutzten Lebensraumtypen verbreitet; Nutzungen stellen hier eher Störungen oder Beeinträchtigungen dar.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
0 |
2-4 Kurzzeitige Aufgabe habitatprägender Nutzung / Pflege
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
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Jahr:
o. J. |
Seite(n):
|
Qualifizierung
der Quelle:
E |
| 1.01 |
BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) |
Die Uferschwalbe besiedelt i. d. R. nutzungsfreie Lebensräume, in denen Nutzungen eher beeinträchtigend wirken. Die Art ist deshalb nicht gegenüber kurzzeitiger Nutzungsaufgabe empfindlich.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
1 |
2-5 (Länger) andauernde Aufgabe habitatprägender Nutzung / Pflege
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
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Jahr:
o. J. |
Seite(n):
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Qualifizierung
der Quelle:
E |
| 1.01 |
BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) |
Die Habitatstrukturen von nutzungsabhängigen Vogellebensräumen unterliegen bei länger andauernden Unterbrechungen habitatprägender Nutzung / Pflege von mehr als 3 Jahren in Abhängigkeit der Geschlossenheit der Vegetationsbedeckung zunehmend sukzessionsbedingten Veränderungen. Innerhalb relativ kurzer Zeit (3-5 Jahre) können Vogelarten offener Lebensraumtypen ausfallen, die mehr oder weniger offene Böden bzw. kurzrasige Vegetation für die Nahrungssuche benötigen oder gegenüber Sichtverstellung und Kammerung der Landschaft empfindlich sind. Zusammensetzung und Häufigkeitsverhältnisse von Vogelgemeinschaften verändern sich über den weiteren Verlauf der Sukzession über halboffene Vorwaldstadien zu standorttypischen Waldgesellschaften.
Die verschiedenen Sukzessionsstadien unterscheiden sich auch in der Besiedlung durch Bodenarthropoden und damit in Zusammensetzung und Dichte der Nahrungstiere von Vögeln. Während frühe Stadien v. a. von licht- und wärmeliebenden Arten und Artengemeinschaften in z. T. hoher Dichte besiedelt sind, nehmen mit zunehmender Strauchbedeckung Arten- und Individuendichten von Laufkäfern, Spinnen und Heuschrecken ab (Rotter 2006). Mit dem Verbuschungsgrad bilden sich jeweils eigene Lebensgemeinschaften, zu denen auch typische Vogelarten gehören, die dieses Nahrungsangebot nutzen.
Die geringsten Empfindlichkeiten gegenüber längerfristigen Nutzungsunterbrechungen bestehen in halboffenen Vogellebensräumen. Durch Zurücksetzen der Sukzession mit Wiederaufnahme der (lebensraumtypischen) Nutzung oder Pflegemaßnahme sind hier projektbedingte Veränderungen von Vogellebensräumen in Abhängigkeit der zeitlichen und räumlichen Dimension möglicherweise reversibel. Die längerfristige Erhaltung von typischen Lebensraumqualitäten kann u. U. durch periodische/episodische Unterbrechungen bzw. das Zurücksetzen der Sukzession gewährleistet werden.
Bodenbrütende Offenlandarten sind gegenüber länger andauernder Aufgabe oder Unterbrechung von Nutzung und Pflege oder vollständiger Aufgabe der Nutzung besonders empfindlich. In den als Grünland genutzten Offenlandgebieten werden entsprechend dem Nutzungsinteresse der Bewirtschafter i. d. R. alle Flächen gemäht oder beweidet. Bei Aufgabe der Nutzung entstehen Vegetationsbestände, die entsprechend ihrem Flächenanteil direkte Verluste von Brutmöglichkeiten v. a. für Kiebitz, Brachvogel und Uferschnepfe darstellen. Diese Flächen bieten zudem ggf. Besiedlungsmöglichkeiten und Deckung für Prädatoren. In Abhängigkeit der Lage dieser Flächen können sich durch arttypisches Verhalten zur Prädationsminderung über Barrierewirkungen weitere Lebensraumverluste für diese Arten ergeben (zu Barrierewirkungen durch strukturelle optische Reize s. Wirkfaktor 5-2). Mit Andauer und räumlicher Ausdehnung ungenutzter Bereiche von Offenlandlebensräumen nehmen jedoch artspezifisch unterschiedlich die beschriebenen Empfindlichkeiten zu, so z. B. bei der Uferschnepfe früher als bei der Bekassine.
Über die Aspekte der Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Anbau- und Nutzungsflächen hinaus ergeben sich bei bestimmten Arten Empfindlichkeiten auch für militärische Übungsplätze und im Bereich des Bodenabbaus (vgl. Wirkfaktor 3-1).
Durch kontinuierlich fortschreitenden Bodenabbau erneuerte Strukturen wie Steilwände, Abbrüche u. ä. werden von zahlreichen z. T. seltenen und gefährdeten Vogelarten als Sekundärlebensraum besiedelt. Großräumiger Tagebaubetrieb, der in Teilflächen über Jahre ruht, bietet ungestörte vegetationsfreie, -arme Brutplätze. So entstehen z. B. in offengelassenen wechselfeuchten Frästorfflächen Schlupflebensräume für Goldregenpfeifer und Alpenstrandläufer. Aufgrund der standortbedingt nur langsam einsetzenden und fortschreitenden Sukzession gehen diese Brutmöglichkeiten erst nach langjähriger Nutzungsaufgabe verloren.
Auf militärischen Übungsplätzen schaffen und erneuern v. a. Feuer und mechanische Bodeneinwirkungen durch den Fahrbetrieb immer wieder Offenbodenpartien und hohe Grenzliniendichten und damit spezifische Habitatstrukturen z. B. für das Birkhuhn (Wübbenhorst & Prüter 2007:89). Aufgrund veränderter militärischer Anforderungen kann sich der Übungsbetrieb verringern oder ganz aufgegeben werden, so dass die typischen Habitatqualitäten verloren gehen.
Konsequenzen der andauernden Aufgabe habitatprägender Nutzungen können - abhängig vom Umfang - z. B. Verlust von Teilhabitaten, Verringerung des Bruterfolgs, Bestandsrückgang oder Beeinträchtigung bzw. Erlöschen lokaler (Teil-)Populationen sein.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
1 |
2-5 (Länger) andauernde Aufgabe habitatprägender Nutzung / Pflege
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
|
Jahr:
o. J. |
Seite(n):
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Qualifizierung
der Quelle:
E |
| 1.02 |
BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) |
Die Uferschwalbe besiedelt i. d. R. nutzungsfreie Lebensräume, in denen Nutzungen eher beeinträchtigend wirken. Allerdings ist ein langfristiger Habitatverlust durch Sukzession anzunehmen, wenn keine weitere Nutzung mehr erfolgt (meist Sandabbau mit regelmäßiger Erschaffung neuer Brutwände). Die Art ist deshalb mitunter gegenüber länger andauernder Nutzungsaufgabe empfindlich.
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
1 |
2-5 (Länger) andauernde Aufgabe habitatprägender Nutzung / Pflege
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
|
Jahr:
2007 |
Seite(n):
299
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Qualifizierung
der Quelle:
A |
| 1.03 |
Heneberg, P. |
"The non-mined localities are quickly overgrown with vegetation, the bank usually collapses after few years and the soil is becoming to be more compact. These parameters generally lead to the abandonment of such breeding banks by any burrowing species (Heneberg & ?ime?ek 2004, Yuan et al. 2006a, b)."
| A 249 |
Uferschwalbe
(Riparia riparia) |
| 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung |
Relevanz des Wirkfaktors: |
1 |
2-5 (Länger) andauernde Aufgabe habitatprägender Nutzung / Pflege
| 1. Empfindlichkeiten/Wirkungen
|
Jahr:
2021 |
Seite(n):
104
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Qualifizierung
der Quelle:
A |
| 1.04 |
PLÖN & Planwerk Nidda |
"Nach Stilllegung der Baugruben, eignen sich die Steilwände aufgrund der fortschreitenden Sukzession nach 2-3 Jahren nicht mehr als Brutstandorte. Auch die Rekultivierung (vor allem die Bepflanzung) von Abbauflächen kann zur Brutplatzaufgabe führen."
Bearbeitung und Zitiervorschlag: siehe Impressum von FFH-VP-Info