Detaildaten zu Beinträchtigungen: Vogelarten

Neuntöter - Lanius collurio

Natura 2000-Code: A 338; Bearbeitungstand: III

Wirkfaktorengruppe: 2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung
Wirkfaktor: 2-4 Kurzzeitige Aufgabe habitatprägender Nutzung / Pflege
Relevanz des Wirkfaktors:  gegebenenfalls relevant (1)

     Auswertekategorien:

  1. Empfindlichkeiten/Wirkungen (5)
  2. Regenerationsfähigkeit (0)
  3. Prognosemethoden (0)
  4. Relevanzschwelle (0)
  5. Erheblichkeitsschwelle (0)

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1. Empfindlichkeiten/Wirkungen

1.01 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Die Relevanz dieses Wirkfaktors bezieht sich im Wesentlichen auf die nutzungs- bzw. pflegeabhängigen offenen und halboffenen Vogellebensräume landwirtschaftlicher Flächen unterschiedlicher Nutzungsintensitäten (Marschen, Feuchtgrünland, Feldflur, Obst- und Weinkulturen) sowie auf Trocken- und Halbtrockenrasen (der Mittelgebirge), kontinentale Steppenrasen und offene bis halboffene Sandheiden, die zumindest auf Teilflächen durch Mahd, Beweidung oder Pflegeschnitt gehölzfrei gehalten werden.

Die typischen Habitatstrukturen unterliegen in halboffenen nutzungs- oder pflegeabhängigen Vogellebensräumen und auch in den meisten offenen Ausprägungen in kurzen Zeiträumen der Nutzungs-/Pflegeaufgabe, -unterbrechung keinen sukzessionsbedingten Veränderungen, die zu nennenswerten Beeinträchtigungen der Arten führen könnten. Die Wiederaufnahme der charakteristischen Nutzung muss jedoch gesichert sein.

Empfindlichkeiten gegenüber kurzzeitiger Aufgabe von Nutzung oder Pflege bis zu ca. (2-) 3 Jahren ergeben sich u. U. in Vogellebensräumen, die durch großflächige Offenheit und Kurzrasigkeit geprägt sind wie z. B. Marsch- und Feuchtgrünlandgebiete. Insbesondere auf den gut mit Nährstoffen versorgten Marsch- und Niedermoorböden können sich in diesen Lebensräumen innerhalb einer Vegetationsperiode ohne Nutzung starke Streuauflagen entwickeln, die im Folgejahr eine Besiedlung von bodenbrütenden Offenlandarten (v. a. Wiesenlimikolen) auf den betroffenen Flächen einschränken oder sogar ausschließen.

Konsequenzen können dann - abhängig vom Umfang - z. B. Verlust von Teilhabitaten, Verringerung des Bruterfolgs oder zeitlich begrenzter Bestandsrückgang lokaler (Teil-) Populationen sein.

Qualifizierung der Quelle: E



1.02 BearbeiterInnen FFH-VP-Info (siehe Impressum) (o. J.)

Kurzzeitige Aufgabe habitatprägender Nutzung wirkt sich in der Regel nicht negativ auf den Bestand des Neuntöters aus. In Abhängigkeit von Größe und Qualität der Fläche ist u. U. sogar mit einer Bestandszunahme zu rechnen. Nach Sonnabend & Poltz (1979:317) benötigt der Neuntöter für den Beutefang allerdings kurzrasige Flächen. Nach Aufgabe der Mahd und Beweidung von Flächen entlang des Mindelsees (nordwestlicher Bodensee) standen immer weniger kleinere, kurz gehaltene Wiesenflächen zur Verfügung, weshalb sich der Neuntöter, nach Angaben der Autoren, aus diesen Gebieten zurückzog. Zwar ist die Insektenvielfalt in ungemähten Flächen höher, doch ist die Beute für den Neuntöter auch schwieriger zu erkennen.

Qualifizierung der Quelle: E



1.03 Bos, J., Buchheit, M., Austgen, M. & Elle, O. (2005)

Verbrachung und Verbuschung von Grenzertragsflächen durch Aufgabe der Nutung wird im Saarland u. a. als Ursache der Zunahme des Neuntöters seit den späten 1980er Jahren angesehen.

Qualifizierung der Quelle: A



1.04 Bauer, S. & Thielke, G. (1982)

Die Autoren nennen den Ausfall der Mahd in Streuwiesen als Gefährdungsfaktor für den Neuntöter (Jacoby et al. 1970, Poltz 1977, beide zit. in Bauer & Thielke 1982:255).

Qualifizierung der Quelle: A



1.05 Bauer, H.-G. & Berthold, P. (1996)

Die Zunahme von Brachflächen kam der Art entgegen. Die Verbuschung aus der Nutzung genommener Landwirtschafsflächen wirkt sich vorübergehend sehr günstig aus. Doch sind viele Habitate sehr kurzlebig und auf konstante Erneuerung oder Pflegemaßnahmen angewiesen.

Qualifizierung der Quelle: A



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Qualifizierung der Quellen für Vogelarten

Averallgemeinerbarer, in der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art
Bin der Literatur dokumentierter Nachweis für diese spezielle Art, aber möglicherweise Ausnahmefall
Cin der Literatur dokumentierter Nachweis für verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe, der als übertragbar eingestuft wird
Din der Literatur dokumentierter Hinweis für diese spezielle Art oder verwandte Arten bzw. andere Arten dieser Artengruppe
Eeigene Einschätzung oder Aussage Dritter, ohne in der Literatur dokumentierten Nachweis/Hinweis (Experteneinschätzung)
Fkeine Literatur verfügbar / Auswertung bzw. Einschätzung mit aktuellem Bearbeitungsstand noch nicht erfolgt

Legende: Bearbeitungsstand zum Bereich "Beeinträchtigungen"

-bislang noch nicht bearbeitet
Iderzeit nur Einschätzungen zur Relevanz der Wirkfaktoren vorhanden
IIzudem Detaildaten zur Auswertekategorie "1. Empfindlichkeiten/Wirkungen" vorhanden
IIIzudem Detaildaten zu den weiteren Auswertekategorien "2. bis 5." vorhanden
ihre meinung

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dirk.bernotat@bfn.de