Auswahl: Wirkfaktoren


Wirkfaktorengruppe

Definition - Wirkfaktoren

2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung >> 2-2 Verlust / Änderung charakteristischer Dynamik

Veränderung oder Verlust von Eigenschaften bzw. Verhältnissen in Lebensraumtypen bzw. Habitaten von Arten, die in besonderem Maße dynamische Prozesse betreffen und sich wesentlich auf das Vorkommen der Lebensraumtypen, der Habitate selbst und der Arten bzw. deren Bestände bzw. Populationen auswirken können (z. B. Sukzessionsdynamik, Nutzungsdynamik).

Wenn die charakteristische Dynamik auf hydrologischen / hydrodynamischen Verhältnissen beruht (z. B. bei aquatischen und semiaquatischen Lebensräumen), wird sie dagegen i. d. R. unter Wirkfaktor 3-3 gefasst.

Nicht umfasst werden auch jene Wirkungen, die durch Nutzungsaufgabe (siehe Wirkfaktoren 2-4 bzw. 2-5) oder land-, forst- oder fischereiwirtschaftlicher Nutzungsintensivierung entstehen (siehe Wirkfaktor 2-3).

Vertiefende Ausführungen - Wirkfaktoren

2 Veränderung der Habitatstruktur / Nutzung >> 2-2 Verlust / Änderung charakteristischer Dynamik

Eine ganze Reihe von Arten und Lebensraumtypen der Anhänge I u. II FFH-RL sowie des Anhangs I bzw. nach Art. 4 Abs. 2 VRL sind von einer natürlichen oder anthropogenen Dynamik abhängig.

Hinsichtlich der anthropogenen Dynamik ist oftmals eine Überschneidung mit den Wirkfaktoren 2-4 bzw. 2-5 gegeben (Aufgabe einer habitatprägenden Nutzung oder Pflege). Bei den Lebensraumtypen kann eine Dynamik entweder zur Erhaltung des Typs als solchem oder aber seines günstigen Erhaltungszustandes (strukturell und hinsichtlich charakteristischer Arten des Lebensraumtyps) erforderlich sein.

Oft handelt es sich bei diesbezüglichen Wirkungen um Folgeeffekte bestimmter Wirkfaktoren (z. B. die Veränderung der Sukzessionsdynamik in Waldlebensraumtypen infolge einer intensivierten waldbaulichen Nutzung).

In sekundären Lebensräumen wie Truppenübungsplätzen oder Abbaugebieten sind die Habitate häufig von der anthropogenen Nutzungsdynamik abhängig, da durch sie z. B. immer wieder neue Laichgewässer entstehen.

Andere Lebensraumtypen und Arten des Offenlandes sind heute weitestgehend auf eine Nutzung oder Pflege angewiesen. Entsprechende Angaben sind in der Datenbank dokumentiert (s. auch Wirkfaktor 2-5).

Aber auch innerhalb offen gehaltener Lebensraumtypen spielen dynamische Prozesse als "Störungen" eine große Rolle, speziell Bodenverwundungen, die erst eine Ansiedlung und Reproduktion spezifischer, vielfach für den Lebensraumtyp besonders charakteristischer Arten ermöglichen. Zahlreiche Beispiele finden sich hierbei unter Arten der Trocken- und Halbtrockenrasen sowie Heiden, darunter u. a. Schmetterlingsarten wie z. B. der Dickkopffalter Hesperia comma (s. HERMANN & STEINER 1997), die Heuschreckenart Platycleis albopunctata (s. WALTER 1994) sowie Sandlaufkäferarten (s. TRAUTNER & DETZEL 1994).

Unter den Pflanzenarten des Anhangs II FFH-RL zählt Apium repens auf vielen Standorten zu den unmittelbar von Störungen abhängigen Arten; sie wird u. a. durch mäßigen bist starken Tritt in Rinderweiden gefördert (vgl. LEDERBOGEN et al. 2001).

Dynamik spielt darüber hinaus auch für die Sicherung eines günstigen Erhaltungszustandes in Lebensraumtypen eine besondere Rolle, bei denen dies nicht so offensichtlich ist. Ein Beispiel hierfür stellt der Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (9170) dar, für den TREIBER (2002) auf Basis von Untersuchungen an Standorten im Südelsass u. a. formuliert: "Die Erreichung des von der EU geforderten günstigen Erhaltungszustandes [...] kann nur gewährleistet werden, wenn die Waldbestände regelmäßig und idealerweise als Mittelwald genutzt werden." Hintergrund ist die deutliche floristische Verarmung mit Ausfall charakteristischer Arten bei längerfristig ausbleibender Nutzung.

Bereits geringe, graduelle Veränderungen der charakteristischen Dynamik können zu erheblichen Beeinträchtigungen führen. Zur Prognose der Auswirkungen können ggf. Modellrechnungen oder Vergleiche mit von der Ausgangslage ähnlichen, aber bereits entsprechenden Veränderungen unterlegenen Standorten (auch Zeitreihenvergleiche) erforderlich werden.
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