Auswahl: Wirkfaktoren


Wirkfaktorengruppe

Definition - Wirkfaktoren

3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren >> 3-4 Veränderung der hydrochemischen Verhältnisse (Beschaffenheit)

Zu einer Veränderung der Gewässerbeschaffenheit (z. B. des pH-Werts oder des Sauerstoffgehalts) führende Einwirkungen (z. B. durch Einleitung/Infiltration von Wasser mit einer anderen Beschaffenheit in Grund-/Oberflächenwasser).

Nährstoff- bzw. Schadstoffeinträge werden i. d. R. unter den entsprechenden Faktoren (Wirkfaktoren 6-1 bis 6-9) berücksichtigt.

Veränderungen in der Gewässerbeschaffenheit können in Abhängigkeit der Empfindlichkeit bestimmter Pflanzen- und Tierarten zu substantiellen Veränderungen der Habitatcharakteristika führen.

Vertiefende Ausführungen - Wirkfaktoren

3 Veränderung abiotischer Standortfaktoren >> 3-4 Veränderung der hydrochemischen Verhältnisse (Beschaffenheit)

Zönosen der Grund- und Oberflächengewässer sowie wassergeprägter terrestrischer / semiaquatischer Lebensraumtypen sind von hydrochemischen Parametern abhängig, darunter u. a. pH-Wert, Sauerstoffgehalt und Nährstofffracht. In der Mehrzahl der Fälle sind Veränderungen entsprechender Parameter direkt Nährstoff- oder Schafstoffeinträgen zuzuordnen und werden in den entsprechenden Abschnitten der Wirkfaktorgruppe 6 behandelt.

Darüber hinaus können jedoch Fälle auftreten, in denen ohne Nähr- oder Schadstoffbelastung hydrochemische Veränderungen Relevanz erlangen, insbesondere bei Ein- oder Überleitung von Wasser aus einem anderen Einzugsgebiet bzw. Gewässern mit abweichenden Parametern. Auch die direkte Einleitung aus Grundwasserentnahmen in Oberflächenwasser und die künstliche Grundwasseranreicherung ist hierbei zu nennen. Ebenso kommt es durch den Aufstau von Fließgewässern zu einer Veränderung des Fließverhaltens, was wiederum eine Veränderung der chemischen Zusammensetzung in diesen Gewässerabschnitten verursachen kann (vgl. z. B. DUMONT et al. 2005:73ff.; DEL SONTRO et al. 2010; MÄCK et al. 2013).

Diesbezüglich sind einerseits die Präferenzwerte betroffener Arten oder Zönosen, andererseits deren Toleranzgrenzen für eine Beurteilung heranzuziehen. Insbesondere bei Bewohnern von Lebensräumen extremer Bedingungen (z. B. oligo- bis mesotrophe Moorstandorte) ist auch zu berücksichtigen, dass sie bei deren Veränderung möglicherweise gegenüber anderen Arten nicht mehr konkurrenzkräftig genug sind, obwohl die chemischen Parameter selbst noch innerhalb ihrer Toleranzgrenze liegen. Veränderungen hydrochemischer Verhältnisse können auch veränderte Sukzessionsabläufe (Richtung, Geschwindigkeit) bedingen.

Zur Prognose von Veränderungen bei bestimmten Parametern in Gewässern, insbesondere auch im Grundwasser, können in Abhängigkeit der verfügbaren Eingangsdaten Modellberechnungen, u. a. mit Stofftransportstrom-Modellen, durchgeführt werden.

Differenzierte gewässerspezifische Qualitätskomponenten bzw. Beurteilungswerte sind auch in den Anhängen der Oberflächengewässerverordnung (OGewV, Stand 20.06.2016) genannt. Diese werden u. a. zur Einstufung des ökologischen Zustands, des ökologischen Potenzials und des chemischen Zustands von Gewässern herangezogen.
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